Westdeutsche Zeitung: WestLB - Um die seriösen Beschäftigten ist es schade
Ein Kommentar von Lothar Leuschen
ID: 600826
Westdeutschen Landesbank. Und in jedem bekennenden
Nordrhein-Westfalen machen sich gemischte Gefühle breit.
Ist es gut, dass die Geschichte der West LB zu Ende geht? Ist das
Ende der einst größten Landesbank in Deutschland ein Verlust? Auf der
einen Seite stehen unbestreitbare Erfolge der West LB in der
Begleitung des Strukturwandels in NRW. Vor allem in den 80er und 90er
Jahren des vergangenen Jahrhunderts trug die 1969 gegründete Bank
dazu bei, dass Unternehmen und damit Arbeitsplätze entstanden oder
erhalten blieben. Das waren die guten Zeiten.
In wacher Erinnerung aber sind andererseits die Skandale und
Affären, die sich um die West LB und ihre Lenker ranken. So holten
den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau um die Jahrtausendwende
vermeintlich private Flüge mit Jets der Landesbank ein. Wegen
desselben Vorwurfes musste der damalige NRW-Finanzminister Heinz
Schleußer Anfang 2000 gar seinen Hut nehmen.
Milliardenverluste durch die Finanzierung eines britischen
TV-Geräte-Vermieters namens Boxclever brachten 2003 den damaligen
West LB-Chef Jürgen Sengera um seinen Posten. Er war Nachfolger von
Friedel Neuber, der jahrzehntelangen grauen Eminenz der Bank. 2007
beendeten Millionenverluste nach Aktienspekulationen die Karriere des
Vorstandschefs Thomas Fischer.
Dass griechische Staatsanleihen nun auch noch für die roten Zahlen
in der letzten Bilanz der Bank verantwortlich sind, passt zur
Geschichte der West LB. Ende Juni nun verschwindet die Bank endgültig
von der Bildfläche. Das wäre im Prinzip nicht tragisch, verschwänden
mit ihr nicht auch Tausende von Arbeitsplätzen. Von zu Hochzeiten
fast 10 000 und heute knapp 5000 Angestellten bleiben langfristig in
Nachfolgeunternehmen etwa 1000 übrig.
Damit beantwortet sich auch die eingangs gestellte Frage, ob es
nun gut oder schlecht ist, dass die West LB nun ihr Ende findet.
Antwort: Um die Bank selbst ist es nicht schade. Um die vielen
Beschäftigten jedoch, die seriös gearbeitet und ihre Zukunft an einen
vermeintlich sicheren Arbeitsplatz bei der Landesbank
Nordrhein-Westfalens geknüpft haben, muss es jedem leidtun.
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Datum: 21.03.2012 - 18:45 Uhr
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