WAZ: Ein Fall von Selbstjustiz. Kommentar von Frank Preuß
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Wer den
vermeintlichen Autor einer obszönen E-Mail öffentlich anprangert,
indem er Name und Adresse ins Internet stellt, der übt Selbstjustiz.
Die Leichtathletin muss es wissen: Sie ist Kommissarin. Und als
solche ein schlechtes Vorbild. Denn ihr Vertrauen in die Justiz kann
nicht groß sein.
Hartnäckige Belästigung ist keine Bagatelle, "Stalking" nicht ohne
Grund seit 2007 im Strafgesetzbuch verankert. Bei der hübschen,
jungen Frau hat es Schmutzbriefe im Dutzend gegeben, und sie setzt
sich zur Wehr, weil es ihr reicht. Das kann man verstehen. Aber ihre
Wahl der Mittel ist falsch, womöglich illegal. Die Anzeige hätte
gereicht.
Wer aber über soziale Netzwerke wie "Facebook" den Übeltäter
abschrecken will, der muss wissen, was er damit lostritt.
Verwechslungen können haarsträubende Folgen nach sich ziehen. Und wie
schnell sich der Mob im Netz zusammenrottet, weil Aggressionen hier
nicht kanalisiert, sondern immer weiter gefüttert werden, das hat man
zuletzt in Emden im Fall eines getöteten Kindes gesehen. Dort ließen
sich 50 Menschen von einem regelrechten Lynchaufruf zu einem
Aufmarsch vor der Polizeiwache anstacheln.
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Datum: 23.04.2012 - 20:26 Uhr
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