Neue OZ: Kommentar zu Parteien / Linke / Lafontaine
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Lang hat es gedauert, bis Oskar Lafontaine auf den Boden der
Realität zurückgefunden hat. Mit seinem Rückzieher beim Kampf um den
Parteivorsitz der Linken hat er gerade noch rechtzeitig die Notbremse
gezogen. Er hat sich eine böse Schmach erspart, und der völlig
desorientierten Linkspartei die Spaltung.
Wahr ist aber auch: Ohne Lafontaine wird die Linke endgültig im
piefigen Klein-Klein versinken. Die alten Erfolge sind vorbei, wenn
der Demagoge und Charismatiker Lafontaine das Feld freigibt. Er und
Gregor Gysi haben die Partei geprägt, nach ihnen kommt lange nichts.
Die Mehrheit der starken ostdeutschen Landesverbände stützt den
aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden Dietmar Bartsch. Daraus zieht
Lafontaines Gegenspieler sein Selbstbewusstsein. Dass aber der
stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion auf westdeutschen
Marktplätzen Menschen begeistert, ist sehr zu bezweifeln. Freie Bahn
also für die Piraten.
Denn diese haben in den alten Bundesländern die Rolle der
Protestpartei übernommen, der Schrumpfkurs der Linken im Westen nimmt
dagegen drastische Formen an. In den Landtagen von Kiel und
Düsseldorf wollten die Wähler sie schon nicht mehr sehen. Und auch
der West-Vertreter Lafontaine ist zu schwach, die Macht an sich zu
reißen.
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Datum: 22.05.2012 - 22:00 Uhr
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