Weser-Kurier: Kommentar zur Ministerpräsidentenwahl in Kiel

Weser-Kurier: Kommentar zur Ministerpräsidentenwahl in Kiel

ID: 657904
(ots) - Wieder gab es eine Panne, doch diesmal erwischte es
nicht den Kandidaten, diesmal war der NDR dran. Kein Bild, kein Ton
aus dem Kieler Landeshaus, hieß es nur 13 Minuten nach Beginn der
Live-Übertragung von der Wahl des neuen schleswig-holsteinischen
Ministerpräsidenten Torsten Albig. Ein technischer Defekt am
Übertragungswagen hatte verhindert, dass die so reibungslos
verlaufene Abstimmung zeitgleich im Fernsehen zu verfolgen war. Und
während der NDR seine Zuschauer mit Landschaftsbildern vertröstete,
war der SPD-Kandidat längst gewählt - gleich im ersten Wahlgang. Der
"Heide-Mörder" von 2005, obwohl immer noch nicht gefasst, hatte
diesmal nicht zugeschlagen. Damit war die wahlweise Dänen- oder
Schleswig-Holstein-Ampel genannte rot-grün-blaue Koalition perfekt,
die schon vor sieben Jahren das Land hätte regieren sollen. Heide
Simonis, das Opfer von damals, war gestern wahrscheinlich nervöser
als der nun ins Ministerpräsidentenamt gewählte Albig. Ohnehin wird
dem gebürtigen Bremer, der eine steile Karriere in der SPD hingelegt
hat, ja viel Pragmatismus nachgesagt. Nun muss er beweisen, dass er
nicht nur die Stadt Kiel, sondern das gesamte Land zwischen Nord- und
Ostsee führen kann. Zuzutrauen ist Albig das, schließlich hat er
bereits viel Erfahrung im Umgang mit Verwaltungsbehörden und
Ministerien. Und Albig gilt als fair. Ob im Umgang mit dem
politischen Gegner oder mit parteiinternen Rivalen - nie hat er
bisher verbrannte Erde hinterlassen. Auch der Zuschnitt seines
Kabinetts lässt sein taktisches Geschick erkennen. Das
Justizministerium für den erstmals mitregierenden Südschleswigschen
Wählerband SSW, Finanzen und Energie für die Grünen - Albig zeigt
sich generös im Umgang mit seinen Koalitionspartnern. So könnte es
ihm durchaus gelingen, selbst mit der knappen Einstimmen-Mehrheit


solide regieren zu können. Und dann und wann auch auf Unterstützung
der Piraten zu hoffen, denn schließlich erhielt er wohl auch von
ihnen einen Vertrauensvorschuss. Kein schlechter Start.



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