BERLINER MORGENPOST: Ein trügerischer Finanzbericht / Leitartikel von Jochim Stoltenberg
ID: 699186
zweiten allerdings stellt sich Berlins Haushaltslage unverändert
beunruhigend dar: In seinem Zwischenbericht zum Stand des laufenden
Haushalts lässt Berlins Kassenwart Ulrich Nußbaum zwar verkünden,
dass nach jetzigem Stand ein paar Millionen Euro weniger neue
Schulden - bei einer Gesamthöhe von sage und schreibe 63 Milliarden
Euro - gemacht werden als im Etat vorgesehen. Doch diese eigentlich
hoffnungsvolle Botschaft ist beim genauen Hinsehen doch eine eher
trübe. Denn die Mehreinnahmen zur Minderung der Schuld sind
zusätzlichen Überweisungen seitens des Bundes und den derzeit
niedrigen Zinsen geschuldet. Mit den zusätzlichen Transferleistungen
des Bundes gleicht Berlin vor allem die eigenen Zahlungen für
Sozialleistungen aus. Diese wachsen nämlich weiter an und liegen zur
Jahresmitte mit 163 Millionen Euro über Nußbaums Etatplanung. Berlin
leistet sich unverändert mehr, als es sich erlauben darf. Diese Kluft
zwischen Einnahmen und Ausgaben ist so alarmierend, weil der Senat
doch schon seit Jahren suggeriert, in der Stadt gehe es
wirtschaftlich bergauf, sie boome gar. Wäre es wirklich so, Berlin
stünde dank sprudelnder zusätzlicher Steuereinnahmen weit besser da.
Die Wahrheit ist eine andere. Wenn nicht schon in diesem, dann
spätestens im nächsten Jahr muss Berlin rund eine halbe Milliarde
Euro zusätzlich aufbringen, um den Flughafen Willy Brandt flug- und
passagiertauglich zu machen. Eine Summe, die im Doppeletat 2012/2013
nicht vorgesehen ist. Die unaufschiebbare Sanierung des ICC ist ein
weiteres millionenschweres Risiko, das finanziell nicht abgesichert
ist. Und selbst für die von der Koalition versprochene Einstellung
von zusätzlichen 250 Polizisten ist im Doppelhaushalt kein Geld
vorgesehen. Der Blick ein paar Jahre weiter voraus stimmt nicht
fröhlicher: 2019 läuft der auch Berlin alimentierende Solidarpakt
aus, ab 2020 fordert die grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse,
dass sich Ein- und Ausgaben die Waage halten. Berlin kommt also -
diesem vermeintlich Entspannung signalisierenden
Finanz-Zustandsbericht zum Trotz - um strukturelle Einschnitte bei
seinen Ausgaben nicht umhin. Das fängt damit an, dass der Senat die
61,5 Millionen Euro streichen muss, mit denen das Tempelhofer Feld in
eine Parklandschaft umgestylt werden soll. Die braucht keiner, die
will keiner mehr. Zweifel sind angebracht, ob sich Berlin wirklich
drei kostenlose Kita-Jahre leisten kann, was sich nicht einmal
wohlhabendere Länder erlauben. Auf den Prüfstand muss erneut, ob das
klamme Berlin auf Studiengebühren verzichten kann. Berlin war mit dem
mittlerweile verschmähten Thilo Sarrazin auf einem guten
Sanierungskurs. Sein Nachfolger müsste als Unternehmer eigentlich
auch wissen, wie ein tief verschuldeter (Staats-)Betrieb zum Turn
Around geführt wird. Bei Nußbaum ist diese Entschlossenheit zur
finanzpolitischen Wende bislang nicht erkennbar.
Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 13.08.2012 - 21:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 699186
Anzahl Zeichen: 3388
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 234 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BERLINER MORGENPOST: Ein trügerischer Finanzbericht / Leitartikel von Jochim Stoltenberg"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST
Lausitzer Rundschau: Folgenlose Bekenntnisse Zur neu entflammten Debatteüber ein NPD-Verbot ...
Wenn der Rechtsanwalt auf die Frage, ob ein Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid sinnvoll ist, antwortet, er finde die Abzockerei an den Straßen auch ganz schlimm, ist der Klient nicht viel weiter. Der Jurist soll gefälligst die Rechtslage prüfen, nicht Meinungen von sich geben. Und so ist e
WAZ: Hausgemachte Volkskrankheit - Kommentar von Stefan Schulte ...
Der perfekte Mitarbeiter ist belastbar, zu jeder Überstunde bereit, allzeit erreichbar und gedanklich im Dauereinsatz. So zumindest fordern es bisher die meisten Chefs. Langsam dämmert ihnen, dass dieselben Attribute auch den typischen Patienten der Psychotherapeuten ausmachen. Wer sich ständi
WAZ: Liebe SPD, lass es lieber sein... - Leitartikel von Ulrich Reitz ...
Natürlich sind jetzt viele Schlaumeier unterwegs. Die suchen einen Kanzlerkandidaten. Die Wahl ist aber erst nächstes Jahr. Da kann viel passieren. Sehr viel. Vielleicht wird Euer Kandidat ja in dieser sehr langen Zeit zerbröselt. Dann hätte er verloren, bevor er so richtig angefangen hat. N
RNZ: Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg zu Verbotsverfahren / NPD/ V-Leute ...
Ist die NPD verfassungsfeindlich? Ja. Vertritt sie aggressive, rechtsextremistische Einstellungen? Ja. Will die Partei die demokratische Grundordnung beseitigen? Ja. Seit Jahren bestehen unter Experten keine Zweifel, dass die Neonazi-Partei verboten werden kann. Einziges Hindernis: Die V-Leute d




