Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Reichtumsbericht

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Reichtumsbericht

ID: 724181
(ots) - Die Reichen werden immer reicher. Skandal. Der
Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wurde gestern vorab
bekannt und löste das vorhersehbare Reiz-Reaktionsschema aus. Die
reichsten zehn Prozent der Haushalte halten mehr als die Hälfte des
gesamten Vermögens, während die untere Hälfte der Haushalte nur über
gut ein Prozent verfügt. Will sagen: Die Zahl der Villen und Jachten
nimmt zu. Solche Vorstellungen befeuern die Entrüstung - ganz klar.
Da wundert man sich fast, dass Joachim Poß für die
SPD-Bundestagsfraktion nur eine »maßvolle Anhebung« der Steuern auf
hohe Einkommen und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer fordert.
Gewerkschaften, Sozialverbände und Linke starteten die vorbereitete
Kampagne »Umfairteilen«. Wir erleben den Auftakt zu einer neuen
Debatte über Gerechtigkeit, mit der ein Jahr vor der Bundestagswahl
klargestellt werden soll, wo das wahre soziale Gewissen seinen Platz
hat: links von der Mitte. Dennoch funktioniert die Ausschlussmethode
bei genauer Betrachtung des Berichtes aus dem Hause von
CDU-Ministerin Ursula von der Leyen nicht. Weder kann man den
Regierungen Kohl, Schröder und Merkel vorwerfen, sie hätten in den
vergangenen 20 Jahren den Reichen das Geld nur so in die Taschen
gestopft und den Armen das letzte Hemd genommen. Noch bedeutet der in
der Tat erhebliche Vermögenszuwachs bei den obersten zehn Prozent
dieser Gesellschaft, dass am anderen Ende der Skala ähnliche Exzesse
nach unten stattgefunden hätten. Weder 1992 noch 2012 muss
hierzulande einer unter der Brücke schlafen oder gar hungers sterben.
Hartz IV und Grundsicherung sind zuverlässige Schutzwälle gegen
Dritte-Welt-Verhältnisse. Jeder Steuerzahler darf stolz sein, dass er
mit seiner Hände Arbeit keinen auf der Strecke lässt. Die
Verdoppelung des Wertes aller privaten Besitztümer von 4,6 Billionen


Euro 1992 auf heute 10 Billionen Euro verliert bei genauem Hinsehen
ihren Alarmcharakter. 3,8 Prozent Inflation und Rendite verdoppeln in
20 Jahren den Betrag, wie die Zinsrechnung lehrt. Weniger gefragt war
gestern, weshalb das Vermögen des Staates im selben Zeitraum um mehr
als 800 Milliarden Euro schrumpfte. Die Antwort führt in eine
Richtung, die Anhänger von Neiddebatten weniger schätzen: Der Staat
hat über seine Verhältnisse gelebt. Und: Es gibt keine »guten«
Schulden. Das Euro-Desaster beruht auf einer Staatsschuldenkrise,
deren Bekämpfung noch mehr Lasten für die Jungen verursacht. Mit
jedem weiteren Kredit liefert sich der Staat jenen Ratingagenturen
aus, denen er dringend entkommen muss. Fazit: Eine Reichendebatte ist
in diesem politischen Herbst fällig. Sie sollte sich aber nicht
allein an Aktiva berauschen, sondern auch Passiva sehen. Dort droht
weitere Ungerechtigkeit.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Westdeutsche Zeitung: Verbot des Schmäh-Videos =
von Peter Kurz Rheinische Post: Labiles China

Kommentar Von Matthias Beermann
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 18.09.2012 - 20:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 724181
Anzahl Zeichen: 3154

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 183 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Reichtumsbericht"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westfalen-Blatt (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

WESTFALEN-BLATT - Till Brönner: "Nichts aus Corona gelernt" ...
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un

34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder

NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in


Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt


Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Kates Skandalfotos ...
Es ging hier nicht um ein öffentliches Interesse, schon gar nicht um Meinungsfreiheit. Die Veröffentlichung der grobkörnigen Paparazzi-Aufnahmen vom sonnenbadenden Thronfolgerpaar aus fast einem Kilometer Entfernung sind nichts anderes als eine Verletzung der Privatsphäre und billiger Voyeu

Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zum Armuts- und Reichtumsbericht ...
Aber bei allem neidischen Unverständnis über wachsenden Reichtum und größer werdende Vermögensabstände: Der soziale Zusammenhalt dieser Gesellschaft ist nicht gefährdet - auch, weil die obersten zehn Prozent (ab 65 951 Euro Jahreseinkommen) 50,7 Prozent Steueranteil bezahlen - di

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: China droht Japan mit Handelskrieg Rigorose Wirtschaftsmacht JÖRG RINNE ...
China lässt die Muskeln spielen. Im Streit um die rohstoffreiche kleine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer droht Peking Japan ganz unverhohlen mit einem Handelskrieg. Das Land, das sich in anderen Krisen der Welt - siehe Syrien - immer gegen Sanktionen ausspricht, setzt in diesem Konflikt sein

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Reichtum in Deutschland Armutszeugnis HANNES KOCH, BERLIN ...
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gibt sich große Mühe, der sozialen Entwicklung in Deutschland etwas Positives abzugewinnen. Im neuen Bericht über Armut und Reichtum schildern ihre Mitarbeiter, dass mehr Menschen arbeiten und die Zahl der Hartz-IV-Empfänger sinkt. Ja, es gibt Fortschritt


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z