Westdeutsche Zeitung: Die Lufthansa riskiert mit ihrer neuen Billigfluglinie viel =
von Martin Vogler
ID: 726250
Kabinenpersonals der Lufthansa hat noch gar nicht begonnen, schon
droht sie zu scheitern. Denn die Ankündigung, eine neue
Billigfluglinie zu etablieren, die weit mehr als die bisherige
Tochter Germanwings tut, verunsichert die Mitarbeiter und macht die
Gewerkschaft Ufo rebellisch. Die Lufthansa geht mit dem Zeitpunkt der
Ankündigung ein extrem hohes Risiko ein. Die Schlichtung könnte rasch
platzen. Sich anschließende flächendeckende Streiks würden Reisende
nerven und die Fluggesellschaft Millionen kosten. Die Lufthansa ist
vorgeprescht, weil sie Zeitdruck spürt. Nachdem bereits feststeht,
dass ihr die Tarifverhandlungen - etwa wegen des angebotenen
Verzichts auf Leiharbeit - kaum Entlastung bringen werden, versucht
sie eilig ihre Billiglinie an den Start zu bringen. Diese wird sehr
viel zu tun haben. Wer etwa von Düsseldorf oder Köln aus mit
Lufthansa starten will, soll überwiegend mit Maschinen der neuen
Gesellschaft abheben. Für die Mitarbeiter ist das eine sehr bittere
Pille. Sie haben in den vergangenen Jahren gewaltig an Prestige
eingebüßt, vor allem der harte Job des Flugbegleiters ist längst kein
Traumberuf mehr. Jetzt drohen bei Neueinstellungen und auch beim
Wechseln von der Mutter zur neuen Tochter klar schlechtere
Arbeitsbedingungen und Gehälter. Deutlicher Gewinner der Planung ist
dank des Bekenntnisses zum Standort Köln das Rheinland. Obwohl in
Berlin Subventionen und der Imagefaktor Hauptstadt gewunken hätten,
entschied man sich anders. Da Germanwings bereits in Köln sitzt,
müssen zumindest diese Mitarbeiter nicht umziehen. Das vermeidet
Unruhe. Vor allem hat Berlin mit dem Chaos um den neuen Großflughafen
sich selbst erheblich geschadet. Ob die Lufthansa selbst, vor allem
angesichts der Auswirkungen auf den Tarifkonflikt des
Kabinenpersonals, zu den Gewinnern der Schaffung der neuen Linie
gehört, ist völlig offen. Generell kommt sie angesichts der
hemmungslosen Konkurrenz von Ryanair & Co. allerdings um Einsparungen
nicht herum. Seit Fliegen nichts Elitäres mehr ist, herrscht am
Himmel die gleiche Schnäppchenmentalität wie im Supermarkt. Viele
Passagiere achten erst auf den Preis, dann auf die Qualität.
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Datum: 20.09.2012 - 19:20 Uhr
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