BERLINER MORGENPOST: Berlin braucht eine Behördenreform.
Joachim Fahrun über die Unfähigkeit eines Bezirksamtes, das Elterngeld pünktlich auszubezahlen
ID: 775118
Versagen in existenzielle Notlagen. Nein, die Rede ist nicht von
Griechenland, wo die Wirtschaftskrise wütet und der Staatsapparat
umgekrempelt wird, sondern von Berlin, Deutschland. Bei uns müssen
junge Familien offensichtlich monatelang auf Geld warten, das ihnen
zusteht. Denn schließlich hat die Bundesregierung schon vor Jahren
beschlossen und verkündet, Verdienstausfälle mit Elterngeld
abzufedern. Doch in Berlin bekommen es einige Bezirke nicht hin,
Anträge der Bürger auf diese Leistung in angemessener Frist zu
bearbeiten. Und so rutschen die Opfer dieser Schlamperei kurz vor
Weihnachten in den Dispokredit - oder pumpen Geld bei Verwandten. Der
Stadtrat verweist, wie in solchen Fällen üblich, auf die Sparvorgaben
des Senats und die Überlastung seiner Mitarbeiter. Als ob es im
ganzen Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf nicht noch 1800 Kollegen
gäbe, über deren Einsatz die sonst so selbstbewussten
Bezirkspolitiker in eigener Verantwortung entscheiden können. Aber
die Zustände in den Elterngeldstellen werfen ein Schlaglicht auf ein
Problem, das viel tiefer geht als die mangelnde Fähigkeit von
Behördenleitern. Es knirscht inzwischen bedenklich in Berlins
öffentlichem Dienst. Zwei Jahrzehnte Personalabbau haben ihre Spuren
hinterlassen. Die Mitarbeiter sind im Durchschnitt 50 Jahre alt und
oft frustriert, weil sie seit Jahren nur wenig planvolles Schrumpfen
erleben. An den Bedürfnissen der Bürger orientierte
Personalentwicklung hat jahrelang ebenso wenig stattgefunden wie eine
Diskussion darüber, welche Aufgaben die Behörden in Zukunft überhaupt
noch bewältigen sollen und können. Der Senat hat sich verhalten wie
die Bundesregierung: Immer der unteren Ebene zuschieben, ohne dass es
oben jemanden interessiert, ob und wie die Basis mit solchen
zusätzlichen Lasten klarkommt. Es ist jetzt allerhöchste Zeit für
eine Schubumkehr in Berlins öffentlichem Dienst. Wenn der Senat nicht
rasch handelt, viel mehr junge Leute ausbildet und sich verstärkt um
Quereinsteiger bemüht, werden die Verwaltungen weiter ausbluten und
die Bürger mit ihren Anliegen immer weiter hinten in der
Warteschlange landen. Bis 2016 gehen 25.000 Leute in den Ruhestand,
fast jeder Vierte aus der aktuellen Mannschaft. Da reicht es auch
nicht, Menschen erst dann anzustellen, wenn die Schreibtische leer
sind. Neueinsteiger brauchen das Wissen der Älteren, wenn sie deren
Arbeit vernünftig weiterführen oder verbessern wollen. Und wo will
der Arbeitgeber Land Berlin dann auf die Schnelle Tausende motivierte
und qualifizierte Leute hernehmen, die auch von Firmen gesucht und
vielleicht auch besser bezahlt werden? Der Regierende Bürgermeister
Klaus Wowereit (SPD) sollte das Problem auch nicht einfach den
einzelnen Ressortsenatoren überlassen. Personalplanung und die
Modernisierung der Verwaltung müssen zentrale Aufgaben sein. Die
Politiker mahnen gerne, die Unternehmen sollten sich durch
vorausschauende Personalpolitik auf den demografischen Wandel
vorbereiten. Berlins Senat hat das im eigenen Haus viel zu lange
verschlafen.
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Datum: 02.12.2012 - 20:47 Uhr
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Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
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