Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Missbrauchsaufklärung

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Missbrauchsaufklärung

ID: 793461
(ots) - Es sollte die weltweit umfassendste Untersuchung
des Missbrauchs Schutzbefohlener durch katholische Priester werden.
Jetzt steht die vermeintliche Aufklärung als Verschlusssache und
Zensurversuch am Pranger. Die gewünschte unabhängige Offenlegung des
dunkelsten Kapitels moderner Kirchengeschichte ist vorerst krachend
gescheitert. Der beredte und hoch angesehene Kriminologe Christian
Pfeiffer hatte 2011 »Tiefenbohrungen in Kirchenarchiven« angekündigt.
Der Trierer Diözesan-Bischof Stephan Ackermann versprach ehrliches
Aufklärungsinteresse: Mithilfe unabhängiger Experten wolle die
Deutsche Bischofskonferenz besser verstehen, wie es zu sexuellem
Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter hatte kommen können. Und was zu
dessen Verhinderung künftig getan werden kann. Die Antwort wird jetzt
noch länger auf sich warten lassen. Wen auch immer die Kirche als
nächstes beauftragt, die neue Kommission wird nur noch als
zweitrangig betrachtet werden. Außerdem: Professor Pfeiffer, medial
ausgefuchst wie er ist, hat prompt eine eigene Untersuchung
aufgelegt. Am Ende wird es konkurrierende Gutachten mit sich
vermutlich widersprechenden Erkenntnissen geben. Schlimmer hätte es
nicht kommen können, urteilen PR-Profis. Aber um die geht es nicht.
Es geht darum, dass 100 000 Personalakten aus 65 Jahren gefilzt
werden. Das Netzwerk katholischer Priester wehrt sich gegen einen
»Generalverdacht«. Hier werde eine ganze Personengruppe in Misskredit
gebracht, klagen sie. Dazu zweierlei: Erstens: Die Netzwerker haben
Recht. Ihr Argument wird auch dadurch nicht weniger stichhaltig, dass
sie als besonders konservativ gelten. Zweitens: Generalverdacht und
Misskredit bestanden allerdings von dem Moment an, als 2010 ein
mutiger Kirchenmann mit Fällen am Berliner Canisius-Kolleg eine
Lawine losbrach. Deren Zerstörungswucht wirkt bis zur Stunde nach.


Jetzt, da das Tischtuch zerschnitten ist, bleibt die nüchterne
Erkenntnis, dass die Bischöfe sich und der Öffentlichkeit zu viel
versprochen haben. Datenschutz und Privatsphäre verbieten jedem
Arbeitgeber die Preisgabe von Personalakten für die Forschung. Wer
zwar anonymisierte, aber letztlich doch zuordnungsfähige Daten
freigibt, der richtet Schaden an. Das trifft nicht nur Täter, sondern
auch Opfer und Unbeteiligte. Im übrigen haben die Bischöfe nie zuvor
soviel getan, um Unrecht soweit möglich zu lindern. 1200 Missbrauchte
haben eine Entschädigung beantragt und erhalten. Den Opfern wurde
lange verweigerte Würde wenigstens etwas zuteil. Die breite Fahndung
nach unentdeckten Fällen von Missbrauch wird weitergehen. Ganz klar,
die Ausgangslage ist und bleibt dabei der Generalverdacht gegen alle
katholischen Kleriker. Er dürfte nach dem aktuellen Desaster nie mehr
ganz ausgeräumt werden können.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
Bayern und Hessen klagen gegen Länderfinanzausgleich
Wahlkampfgetöse
ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Flughafen Berlin
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.01.2013 - 19:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 793461
Anzahl Zeichen: 3178

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 206 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Missbrauchsaufklärung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westfalen-Blatt (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

WESTFALEN-BLATT - Till Brönner: "Nichts aus Corona gelernt" ...
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un

34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder

NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in


Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt


Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Dichtheitsprüfung ...
Unterhöhlte Straßen, verunreinigtes Grundwasser: Die Befürworter der Dichtheitsprüfung bemühen bedrohliche Szenarien, um die vermeintlichen Gefahren undichter Abwasserkanäle zu veranschaulichen. Nur: bislang ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein undichtes Abwasserohr auf einem Privatg

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Flughafen Berlin ...
Die Peinlichkeiten beim Bau des Hauptstadtflughafens gehen weiter. Klaus Wowereits überfälliger Rücktritt als Regierender Bürgermeister von Berlin darf aus wahltaktischen Gründen nicht erfolgen. So wünscht es SPD-Parteichef Sigmar Gabriel, weil am 20. Januar bei der Wahl in Niedersachen fÃ

Ostsee-Zeitung: Kommentar zum Absturz der FDP ...
Die FDP hat es nicht geschafft, Vertrauen zu bewahren. Deshalb spielen die allernächsten Wahlergebnisse schon gar keine Rolle mehr. Es geht eher um die Abwägung der einen entscheidenden Frage: Wer schafft es, möglichst viele der FDP-Wähler vom letzten Mal möglichst bald wieder zu mobilisier

Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Bayern und Hessen klagen gegen Länderfinanzausgleich Wahlkampfgetöse ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN ...
Klar, dass CSU-Chef Horst Seehofer sich solch eine Wahlkampfmunition nicht durch die Lappen gehen lässt. Berlin hat seit 1990 mit 45 Milliarden Euro die höchsten Zuwendungen aus dem Länderfinanzausgleich erhalten. Gleichzeitig versenken die Berliner Geld auf der Dauerbaustelle des Großflughaf


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z