BERLINER MORGENPOST: Das Pendel schlägt zurück Hajo Schumacher über das Fernsehen im Jahr 2013 un

BERLINER MORGENPOST: Das Pendel schlägt zurück
Hajo Schumacher über das Fernsehen im Jahr 2013 und überflüssige Sendungen

ID: 840949
(ots) - Es gibt Wochen, da keimt tatsächlich so etwas wie
Hoffnung in die Restvernunft der Menschheit. Nein, nicht Zypern,
nicht der Frühling, nicht mal Steinbrück, sondern ein viel
schwierigerer Patient - das deutsche Fernsehen. Die vergangene Woche
begann mit einem unglaublichen Interesse für das Kriegs- und
Nazi-Epos "Unsere Mütter, unsere Väter". Obgleich es keinen aktuellen
Anlass gab, berührte der Dreiteiler im ZDF offenbar ein verschüttetes
Thema in deutschen Familien. Wie oft mögen alte Schwarz-Weiß-Fotos
aus den Schränken gekramt worden sein, wie viel düster-dämonische
Gedanken sind in der vergangenen Woche wohl in diesem Land gedacht
worden. Kein anderes Medium schafft eine solche Wucht wie das
Fernsehen.

Zugleich tobte eine wilde Debatte über einen Auftritt der
Schauspielerin Katja Riemann in einer Vorabendsendung des NDR. Über
eine Million Menschen schauten sich seither auf YouTube noch mal an,
wie ein schrecklich gut gelaunter Moderator ein Meer von Arg- und
Ahnungslosigkeit ausschüttete. Zu Recht ziemlich fassungslos,
schaltete Katja Riemann in den Sturmodus. Und warf damit eine
durchaus bange Frage auf, die sich jeder Journalist beizeiten wieder
stellen sollte: Wie viel fröhlich-unterhaltsames Wegmoderieren ist
mit der Genfer Menschenrechtskonvention eigentlich vereinbar?

Es folgte eine dritte Medienwoge: "Britt", eine Nachmittagsshow
mit Themen aus dem Baukasten menschlicher Abgründe, wird im Sommer
von Sat.1 geschlachtet. Nach zwölf Jahren tapferem Trash-Talk ist die
einst so zuverlässige Quote futsch. Da fügt es sich, dass der
Marktführer RTL zeitgleich in den Keller rauscht. Ob balzwütige
Bauern oder erbärmliche Sangeskunst, Deutschland ist offenbar
durchgecastet. Tränenerstickter Sozialvoyeurismus funktioniert nicht
mehr. Gut so.

Aber was genau ist passiert? Kaum feiert das deutsche Feuilleton


die bizarre Schönheit des Dschungelcamps, kaum haben die
öffentlich-rechtlichen Sender ihre Moderatoren per Negativauslese der
privaten Konkurrenz angepasst, da scheint das Pendel des Schreckens
seinen maximalen Ausschlag erreicht zu haben. Das Maximum schlechter
Qualität ist erreicht, der Trash wird selbst von schlichteren
Zuschauern als solcher identifiziert, die Grenzen der
vorgeschriebenen Reality sind überschritten. Wer wirklich schlimme
Sachen sehen will, der guckt gleich im Internet.

Zugleich hat der Zuschauer in den vergangenen Jahren eine
Bewusstseinserweiterung erfahren. Wir TV-Naivlinge, die mit drei
Programmen und Testbild aufgewachsen sind, wir haben tatsächlich
geglaubt, was die guten Onkels und Tanten da auf dem Bildschirm
erzählt haben. Dann kamen eines Tages Dieter Bohlen und die
Castingshows. Und sehr schnell hat das Publikum verstanden, dass
eigentlich alles, was es zu sehen gibt, einer mehr oder weniger
billigen Inszenierung folgt.

Und jetzt? Wird sich das private Fernsehen grausam neu erfinden,
während der öffentlich-rechtliche Komplex sich im Glanze einiger
Einzelleistungen sonnt. Man sollte Katja Riemann als
Qualitätskontrolleurin durch alle Funkhäuser schicken.



Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Neue OZ: Kommentar zu Museumsobjekte Neue OZ: Kommentar zu David Bowie
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.03.2013 - 20:25 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 840949
Anzahl Zeichen: 3575

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Kunst und Kultur



Diese Pressemitteilung wurde bisher 320 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BERLINER MORGENPOST: Das Pendel schlägt zurück
Hajo Schumacher über das Fernsehen im Jahr 2013 und überflüssige Sendungen
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

"Berliner Morgenpost" Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den


Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST


Neue OZ: Kommentar zu Museumsobjekte ...
Fahrzeug für die Zeitreise Ob später einmal iPad-Hüllen oder Liebesschlösser im Museum von Besuchern einer künftigen Generation bestaunt werden? Die Frage klingt nicht nur heute hypothetisch. Sie wäre für Menschen des Mittelalters mit Blick auf ihre Lebenswelt wohl nicht einmal vorste

Zwei Künstler der dOCUMENTA (13) in München in der Galerie Ruetz ...
Fabio Biancos Gemälde bestechen zunächst durch ihre oft intensiven Farben. Schnell scheint sich dem Betrachter im Zusammenspiel der Farbflächen ein Raum zu erschließen. Dieser Eindruck wird abgelöst von einen Moment der Irritation: einzelne Bildelemente widersprechen einer perspektivischen Räu

Hans-Peter Gill von der Falco Privatstiftung als offizieller Falco-Double-Solokünstler Deutschlands autorisiert ...
Dies ist die Geschichte von Hans-Peter Gill (Falco-double) der vor über mehr 20 Jahren sich als Ziel gesetzt hatte das beste Double von Falco zu werden. Hans-Peter Gill, gilt als Imitator, der eigentlich schon fast keiner mehr ist - denn Gill lebt FALCO. Mimik und Gestik sind verblüffend echt und

Saunageflüster – sechs Kieler Studierende brauchen Unterstützung, um ihren Kurzfilm über korrupte Geschäftsleute drehen zu können ...
Gesagt, getan, dachten sich sechs Kieler Studierende, die das Projekt im Rahmen eines Semesterprojektes der Fachhochschule Kiel im Studiengang Multimedia Production umsetzen wollten. Schnell mussten Till, Chris, Daniel, Halkert, Josefine und Lisa jedoch feststellen, dass eine Produktion, die ihren p


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z