Börsen-Zeitung: Der Run in den Köpfen, Kommentar zur Einlagensicherung von Bernd Wittkowski
ID: 842567
nicht. Anzeichen von Bammel sind hierzulande eher in der Politik und
im Kreditgewerbe festzustellen. Man überbietet sich geradezu darin,
die Sicherheit der Einlagen zu beschwören. Bundeskanzlerin Angela
Merkel hatte ihre 2008 angesichts des unmittelbar drohenden
Zusammenbruchs der Hypo Real Estate gemeinsam mit dem damaligen
Finanzminister Peer Steinbrück gegebene Garantie ("Wir sagen den
Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür
steht die Bundesregierung ein") schon vorige Woche bekräftigen
lassen. Nun sah sich Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon veranlasst
festzustellen, es sei "völlig ausgeschlossen, dass es in Deutschland
einen solchen staatlichen Zugriff auf Spareinlagen geben könnte" wie
in Zypern.
Die Beschwichtigungsversuche kommen nicht von ungefähr. Denn der
Bank Run findet zwar noch nicht mit den Füßen statt, sehr wohl aber
schon in den Köpfen. Alle reden darüber, wie sie ihr Geld in
(vermeintliche) Sicherheit bringen und sich vor der Enteignung durch
die Rettungseuropäer schützen können. Ob mehr oder weniger als 100000
Euro auf dem Tagesgeldkonto liegen, scheint dabei kaum eine Rolle zu
spielen. Wie so oft haben solche Diskussionen und Verhaltensweisen
auch etwas Irrationales. Da taucht jetzt zum Beispiel ein alter
EU-Entwurf auf, dem zufolge Guthaben über 100000 Euro zur
Bankenrestrukturierung verwendet werden können. Welche Überraschung,
wenn sich die EU-weite Mindestgarantie auf ebenjene 100000 Euro
erstreckt! Nebenbei: Brüssel wollte einen höheren Schutz, wie er in
Deutschland in unterschiedlicher Form zumindest auf dem Papier in
allen Säulen des Kreditgewerbes gilt, mit der Reform und
Harmonisierung der Einlagensicherung zunächst sogar unterbinden.
"Völlig ausgeschlossen" ist gar nichts mehr. Aber natürlich macht
es einen Riesenunterschied, wenn man die Betroffenen ständig mit der
Nase auf einen relativ simplen Tatbestand - auch Einlagen sind
Risikoassets - stößt und, wie im Fall Zypern geschehen, zu allem
Überfluss gar den bisher uneingeschränkten Schutz der Kleinsparer
zwischenzeitlich in Frage stellt. Insoweit sind vor allem einige
ausländische Politiker auf dem "besten" Weg, den Ansturm auf
Bankschalter und Geldautomaten herbeizureden, indem sie zum x-ten Mal
darüber quasseln, dass vermögendere Sparer für allfällige
Rettungsaktionen herangezogen werden müssten. "Danke, wir haben
verstanden", werden sich nicht wenige derjenigen sagen, die sich
betragsmäßig angesprochen fühlen dürfen.
Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 26.03.2013 - 20:50 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 842567
Anzahl Zeichen: 2972
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 240 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: Der Run in den Köpfen, Kommentar zur Einlagensicherung von Bernd Wittkowski"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Börsen-Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro
Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin
Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den
Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Einwanderungshürden für ausländische Fachkräfte: Eine Imagefrage - von Christine Hochreiter ...
Hightech-Nationen wie die USA und Deutschland haben eines gemeinsam: Ihnen gehen die Fachkräfte aus. Hierzulande wird immer deutlicher erkennbar, dass es nicht nur um die Beseitigung bürokratischer Hürden geht, wenn Experten aus dem Ausland in die Bundesrepublik kommen sollen. Um auf Dauer att
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Bertelsmann ...
Man schlachtet kein Huhn, das goldene Eier legt. Und bis jemand sein Tafelsilber verkauft, muss viel passieren. RTL hat auch 2012 mehr als die Hälfte zum Bertelsmann-Konzerngewinn beigesteuert. Es muss also gute Gründe geben, wenn Vorstandschef Thomas Rabe einen Teil des Besitzes zu Geld machen
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Arbeitskosten ...
Selbst wenn in Deutschland die Arbeitskosten mehr als in den Jahren zuvor gestiegen sind, haben die Unternehmen noch keinen Grund, Alarm zu schlagen. Fast zehn Jahre lang haben die Arbeitnehmer stillgehalten und auf einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle verzichtet. Und wenn man die Inflatio
Westdeutsche Zeitung: Spielball der Mineralölkonzerne = von Lothar Leuschen ...
Mehr als zehn Jahre nach Einführung des Euro sollte die Zeit des Umrechnens eigentlich vorbei sein. Aber fast jeder, der mit der D-Mark aufgewachsen ist, multipliziert Preise in Gedanken immer noch mit 1,95583 beziehungsweise mit zwei. Und schon ist es kein großer Trost mehr, dass die MineralÃ




