Allg. Zeitung Mainz: Zur rechten Zeit
Kommentar von Peter Königsberger zu Merkel und Steinbrück
ID: 850662
man sich an Peer Steinbrück nur noch als den Mann erinnern, der
neben Angela Merkel stand, als diese am 5. Oktober 2008 mitten in der
schwersten Bankenkrise der Nachkriegszeit den Deutschen versicherte,
dass ihre Einlagen sicher sind, weil der von ihr geführte Staat dafür
garantiert. Das Wunder müsste dann aber in den nächsten knapp sechs
Monaten geschehen. Denn solange hat die SPD noch Zeit, einen Trend zu
stoppen, der derzeit nur in eine Richtung zeigt, abwärts nämlich.
Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Der Klartexter aus Hamburg,
von Helmut Schmidt mit soviel Vorschusslorbeeren versehen, dass er
vor Wochen noch vor Kraft kaum laufen konnte, kommt im Rest der
Republik nicht an, schlimmer noch, er zieht seine Partei mit nach
unten. Steinbrück scheint davon bislang - äußerlich zumindest -
ziemlich unberührt. Aus seiner Sicht kommt es bei Wahlen immer auf
die letzten vier bis sechs Wochen an. Sich vorzeitig ins Geschirr zu
legen, sei deshalb nicht nötig. Dass das viele in seiner Partei
offenbar - und wohl auch zu Recht - ganz anders sehen, werden sie ihm
hoffentlich am Sonntag sagen, wenn die SPD zu ihrem außerordentlichen
Parteitag zusammenkommt. Ob er sich davon beeindrucken lassen wird?
Zweifel sind angebracht. Geht das so weiter, wird es Angela Merkel
sein, die sich kaum mehr ins Geschirr legen muss, um weitere vier
Jahre an der Macht zu bleiben, obwohl sie an der Spitze einer
Koalition steht, die auf viele drängende Fragen dieser Zeit in diesem
Land kaum Antworten gibt. Sie lebt - und gedeiht sogar - im
Schlagschatten einer Kanzlerin, die vor viereinhalb Jahren im
richtigen Moment das Richtige sagte. Peer Steinbrück war dabei,
gelernt hat er dabei aber offensichtlich nichts.
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Datum: 10.04.2013 - 20:02 Uhr
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