Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum NSU-Prozess: Nächster Teil der Blamage, von Holger Schellkopf
ID: 863126
wieder ein ganz schlechter Tag für den Prozess gegen die Terrorgruppe
NSU. Der bis 29. April eher unbekannte Sender hat einen festen Platz
für die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal - im Gegensatz zu
Medien wie der FAZ, der Welt oder auch der taz. Machen wir uns
deutlich, worum es bei dem Prozess eigentlich geht: Um Morde,
Anschläge, Überfälle - ganz offensichtlich verübt aus rechtsradikalem
Hass. Dieser Prozess steht wie kaum einer zuvor im Licht der
Öffentlichkeit, auch international. Das Verfahren sollte auch ein
Signal in die Welt sein - ein Signal, wie entschieden Deutschland
gegen die Gefahr von Rechts vorgeht. Doch bevor der Prozess überhaupt
begonnen hat, ist er schon zur Posse geworden. Wie soll Vertrauen in
ein Gericht aufgebaut werden, dass nicht einmal in der Lage ist, eine
vernünftige Berichterstattung sicherzustellen. Nach der vom
Bundesverfassungsgericht halbwegs korrigierten Blamage mit dem
Früher-Vogel-Verfahren hat nun das Losverfahren die zu erwartende
nächste Peinlichkeit hervorgebracht. Es hätte viele Möglichkeiten
gegeben, Souveränität, Kompetenz und Fingerspitzengefühl zu beweisen
- das Oberlandesgericht München hat jede davon an sich vorüberziehen
lassen. Ein Saal mit ausreichend Platz, eine Übertragung in einen
anderen Gerichtssaal, die Auswahl der Medien auf Basis
nachvollziehbarer Kriterien - all das wurde mit zum Teil mehr als
eigentümlichen Argumenten abgelehnt. Dieser Prozess braucht
Ernsthaftigkeit, braucht Glaubwürdigkeit, braucht Aufrichtigkeit;
nicht zuletzt muss er auch den Angehörigen der Opfer deutlich machen,
dass sie sich auf die Justiz verlassen können - gerade vor dem
Hintergrund der unfassbaren Ermittlungspannen während der
NSU-Mordserie. Das blamable Schauspiel um die Vergabe der
Berichterstattungsplätze ist genau das, was im Vorfeld dieses
Prozesses nicht hätte passieren dürfen. Auch das Gericht selbst hat
sich seine eigentliche Aufgabe damit nur noch schwerer gemacht.
Freude kann daran niemand haben - außer Radio Lotte vielleicht.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 29.04.2013 - 22:49 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 863126
Anzahl Zeichen: 2447
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 275 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum NSU-Prozess: Nächster Teil der Blamage, von Holger Schellkopf"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Mittelbayerische Zeitung: Kampf- und Wandertag: Der 1. Mai wurde von Arbeitern einst hart erkämpft. Der Mythos dahinter ist so aktuell wie lange nicht. Von Reinhard Zweigler ...
Im Jahre 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung am 1. Mai zum Generalstreik für die Durchsetzung des Achtstundentages auf. Vorausgegangen war ein Streik in einer Chicagoer Fabrik gegen den Hungerlohn von drei Dollar für zwölf Stunden Schufterei. Bereits vier Jahre später wurde der e
Westfalenpost: Westfalenpost zum Nichtraucherschutz ...
Rauchen ist ungesund, gefährlich und belästigt Nichtraucher. Der Gesetzgeber steht in der Pflicht, Nichtraucher vor dem blauen Dunst der Qualmer zu schützen. Der Rigorismus allerdings, mit dem Rot-Grün das Rauchverbot in den NRW-Kneipen durchpeitscht, wird zur Bevormundung. Warum eigentlich
Westfalenpost: Westfalenpost zur Steuerpolitik ...
Schwäbische Zeitung: Richter sind nicht sakrosankt - Leitartikel ...
Es erscheint fraglich, ob sich die Leserinnen der Brigitte in ihrer Illustrierten vor allem über den NSU-Prozess informieren wollen. Und wer den Online-Auftritt eines Münchner Anzeigenblatts anwählt, wird dort kaum einen Bericht über das Verfahren gegen Beate Zschäpe und Konsorten suchen. U




