Weser-Kurier: Zum NSU-Prozess schreibt der Bremer WESER-KURIER:
ID: 865052
spiegelt die Unsicherheit im Umgang mit der Justiz ebenso wieder wie
die bekannte Weisheit, dass man vor ihr wie auf hoher See "in Gottes
Hand" sei. Der Juristenstreit um die Öffentlichkeit des am Montag in
München beginnenden NSU-Prozesses gibt dafür ein neues Beispiel. Muss
ein Gericht einem massiven Medieninteresse nachgeben? Darf man Ton
und gegebenenfalls auch Bild von der Verhandlung übertragen? Dass der
wissenschaftliche Dienst des Bundestags beides mit Nein beantwortet,
will nicht allzu viel heißen. Mühelos könnten sicher eine Reihe
juristischer Spezialisten mit gegenteiligen Ansichten zitiert werden.
Wenn aber ein Gericht nicht Gefahr laufen will, dass ein nach zwei
Jahren mühsam erarbeitetes Urteil aufgehoben wird und der gesamte
Prozess neu aufgerollt werden muss, geht es auf Nummer sicher und
entscheidet sich für die strengste Gesetzesauslegung - so wie das
Oberlandesgericht München. Das Gezeter im Vorfeld des Prozesses macht
deutlich: Das deutsche Gerichtsverfassungsgesetz ist verstaubt. Es
wurde in einer Zeit verabschiedet, in der es gerade einmal eine
Handvoll von Fernsehsendern und überregionalen Zeitungen und
Zeitschriften gab und Online-Medien völlig unbekannt waren. Und in
denen es der Öffentlichkeit genügte, selbst über weltbewegende
Ereignisse einen Tag später informiert zu werden. Ein solches
Medien-Bild herrscht in der Justiz immer noch vor, denn Juristen
marschieren selten an der Spitze des Fortschritts. So wurde bei der
Vorbereitung des NSU-Mammutprozesses offenbar kein Gedanke daran
verschwendet, wie riesig und international das Medieninteresse an dem
Verfahren werden könnte und ob für die Öffentlichkeit genügend Plätze
zur Verfügung stehen würden. Hätte auch nur einer der Beteiligten
eine etwas vertiefte Ahnung von der heutigen Medienlandschaft gehabt,
hätte das Desaster - vielleicht - vermieden werden können. Nun ist
der Ärger da und immer noch groß. Dennoch sollte man jetzt den
Prozess laufen lassen und sich damit trösten, dass die Justiz
vielleicht aus den in München gemachten Fehlern lernt, obwohl sie
mitunter sehr hartnäckig an einmal gemachten Fehlern festhält. Auch
die Politik ist gefragt. Das Gerichtsverfassungsgesetz zu ändern
obläge dem Bundestag. Dort möge darüber nachgedacht werden, ob der
Ablauf des Justizalltags da und dort modernisiert werden müsste.
Besser wäre es gewesen, man hätte vorher nachgedacht, aber hinterher
ist man zugegeben immer schlauer.
Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.05.2013 - 20:42 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 865052
Anzahl Zeichen: 2919
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bremen
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 199 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Weser-Kurier: Zum NSU-Prozess schreibt der Bremer WESER-KURIER:"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Weser-Kurier (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz hat das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz begrüßt: "Die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum können erheblich sein. Daran besteht kein Zweifel", sagte der Chefökonom d
Banaszak: Grüne wollen Borkum-Abkommen verhindern ...
Der Parteichef der Grünen, Felix Banaszak, sieht sich durch Entscheidung des Bundesrats, keine Stellungnahme zum Gesetzes über ein Unitarisierungsabkommen mit den Niederlanden im Rahmen der geplanten Gasförderung vor Borkum abzugeben, bestätigt: "Ich halte es weiterhin für notwendig, dass
Neue Nato-Vorgaben: Der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschuss, Thomas Röwekamp (CDU), spricht sich für eine allgemeine Dienstpflicht aus ...
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, der Bremer CDU-Abgeordnete Thomas Röwekamp, spricht sich im "WESER-KURIER" (Bremen) wegen der neuen Nato-Vorgaben zur künftigen Truppenstärke der Bundeswehr für eine allgemeine Dienstpflicht aus. "Aus meiner Si
Weitere Mitteilungen von Weser-Kurier
WAZ: Seehofers Filz-Problem - Kommentar von Gudrun Büscher ...
Es gibt für Horst Seehofer derzeit keine guten Nachrichten. Das "Mia san mia", mit dem der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef gerne in den Wahlkampf zieht, hat einen faden Beigeschmack bekommen. Fünf Monate vor der Landtagswahl, bei der die CSU die absolute Mehrheit zurückge
Mittelbayerische Zeitung: Momentaufnahme Kommentar zur Champions League ...
Die Souvenirverkäufer vor dem Wembley-Stadion werden am 25. Mai gerüstet sein. Sobald eine deutsche Mannschaft im Londoner Fußball-Tempel auftaucht, bieten sie Pickelhauben aus Plastik feil, fünf britische Pfund das Stück. Der gute Gang der Geschäfte ist da allemal wichtiger als der gute G
Märkische Oderzeitung: Märkische Oderzeitung (Frankfurt/Oder) zu Hoeneß ...
Hoeneß hat recht. Er verlangt, dass er nicht zusätzlich für seine Prominenz bestraft wird. Vor Gericht zählt bis zu einem gewissen Grade auch die Gesamtpersönlichkeit des Angeklagten. Sollte es zu einer Verhandlung kommen, dann darf Uli Hoeneß nicht besser, aber auch nicht schlechter behand
KEINVATERLAND / Wie Semiya Simsek und andere mutmaßliche Opfer der NSU den Prozessauftakt in München erleben ...
Montag, 13. Mai 2013, 22.00 Uhr, 3sat Erstausstrahlung 14 Jahre ist sie alt, als Semiya Simsek mitten in der Nacht ins Krankenhaus zu ihrem schwer verletzten Vater gebracht wird. Neun Schüsse wurden auf Enver Simsek abgegeben. Der Verdacht richtete sich zunächst gegen die Verwandten des Opf




