Mittelbayerische Zeitung: Momentaufnahme
Kommentar zur Champions League
ID: 865016
werden am 25. Mai gerüstet sein. Sobald eine deutsche Mannschaft im
Londoner Fußball-Tempel auftaucht, bieten sie Pickelhauben aus
Plastik feil, fünf britische Pfund das Stück. Der gute Gang der
Geschäfte ist da allemal wichtiger als der gute Geschmack - zumal
dann, wenn ausgerechnet zum Jubiläum des englischen Fußball-Verbandes
ein rein deutsches Finale in Wembley steigt. Parallelen zwischen
Politik und Sport sind zwar meist an den Haaren herbeigezogen, doch
fiel in der vergangenen Woche eine Fotomontage im Internet auf. Sie
zeigt Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Spaniens Regierungschef
Mariano Rajoy, wie sie ängstlich hinter einer Wand hervorlugen,
darüber die Denkblase: "Sind die Deutschen schon weg?" Wir werden
unseren Nachbarn langsam wieder ein bisschen unheimlich, der
fußballerische Erfolg fügt sich da ins Bild. Doch handelt es sich um
eine Momentaufnahme, mehr nicht. Zumindest der Ballsportverein
Borussia Dortmund ist längst noch nicht so breit aufgestellt, dass er
dauerhaft einen Platz in der Beletage des europäischen
Vereinsfußballs für sich beanspruchen könnte. Das trifft lediglich
auf den FC Bayern zu, der allerdings auch schon elend lange zwölf
Jahre einem internationalen Erfolg hinterherhechelt. Und der Rest der
Bundesliga verabschiedet sich an ungemütlichen Novemberabenden gegen
namenlose Gegner aus der ungeliebten Europa League. Allerdings ist
der sportliche Aufschwung, der sich nun im Londoner Finale
manifestiert, unübersehbar. Er resultiert aus den Lehren der
desaströsen EM 2000, nach der die Jugendarbeit intensiviert wurde.
Und er stützt sich auf die Infrastruktur - vor allem die Stadien -
der Heim-WM 2006. Europa mag dennoch beruhigt sein. Wenn unsere
Nationalelf im Mai mit einem C- oder D-Kader zu einer sinnlosen
US-Reise aufbricht, dann beweist dies eines: Der deutsche Fußball ist
beileibe nicht perfekt, sondern vor Unfug nicht gefeit.
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Datum: 02.05.2013 - 19:17 Uhr
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