Stuttgarter Zeitung: Leitartikel zu Homo-Ehe/Bundesverfassungsgericht/Ehegattensplitting: Triumph der Liberalität
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wieder einmal zwingen lassen muss, den Weg, den die Verfassung mit
dem Gleichheitsprinzip vorgibt, konsequent bis zum Ende zu gehen. Die
C-Parteien hätten sich dies ersparen können, zumal sich lange
abgezeichnet hat, wie die Karlsruher Richter entscheiden würden.
Mit dem Urteil wurde die vorletzte Bastion im Weltbild mancher
geschleift, die sich für konservativ halten. Einer kompletten
Gleichstellung homosexueller Partner mit klassischen Ehepaaren steht
nun lediglich noch das Adoptionsrecht entgegen. Doch was ist
eigentlich konservativ an der Überzeugung, Heteropaare seien
prinzipiell die besseren Eltern? Wenn schwule oder lesbische Partner
einen Bund fürs Leben eingehen, so ist das nicht weniger konservativ,
als wenn Mann und Frau sich dazu entschließen.
Leider gibt es zu wenige Konservative, die wie Wolfgang Schäuble
so klug sind zu begreifen, dass Grundüberzeugungen nicht verwechselt
werden sollten mit starren Denkschablonen. Konservative Tugenden wie
Beständigkeit, Verbindlichkeit, füreinander einstehen werden nur dann
Bestand haben, wenn sie sich ins 21. Jahrhundert übersetzen lassen.
Die Union wäre klug beraten, keine verlorenen Schlachten schlagen zu
wollen.
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Datum: 06.06.2013 - 19:30 Uhr
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