Allg. Zeitung Mainz: Kein entweder - oder / Kommentar zu Bildungschancen
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mittlerweile zur Gewohnheit geworden, die Studien und Aussagen von
Bildungsexperten nur noch kurz zur Kenntnis zu nehmen und schnell
wieder zu vergessen. So hören wir denn auch in schöner
Regelmäßigkeit, dass der Bildungserfolg in Deutschland weiterhin in
hohem Maße von der sozialen Herkunft abhängt, bedauern es oder auch
nicht und gehen zur Tagesordnung über. Das gilt leider auch für die
Politik, die in Sonntagsreden das Hohelied auf die wichtigste
Ressource Bildung singt, bei deren Finanzierung aber in Deckung geht.
Zwar kletterten die Bildungsausgaben hierzulande 2012 auf einen
Rekordwert von 110 Milliarden Euro, im internationalen Vergleich
fällt Deutschland aber weit zurück. Regelmäßig watschen uns
internationale Experten dafür ab. Der Einwand, mehr Geld allein sorge
nicht für mehr Qualität, mag grundsätzlich berechtigt sein, läuft
aber ins Leere, wenn es um Mammutaufgaben wie Kita-Ausbau, bessere
Bezahlung von Erziehungspersonal, Ausbau der Ganztagsschulen,
Unterrichtsversorgung oder kleinere Klassen geht. Das lässt sich
nicht allein mit gutem Willen und Engagement bewältigen. Doch selbst
wenn die finanzielle Ausstattung verbessert würde, bliebe das Dilemma
der unterschiedlichen Systeme und politischer sowie pädagogischer
Zielsetzungen im föderalen Deutschland. Da geht es leider auch noch
viel zu oft um Schwarz oder Weiß, entweder - oder. Die
Bertelsmann-Forscher haben sehr gut auf den Punkt gebracht, wie ein
gutes Schulsystem aussehen muss: Es muss die Ziele Leistung und
Chancengleichheit miteinander vereinbaren. Davon sind wir in
Deutschland aber noch weit entfernt.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 24.06.2013 - 18:39 Uhr
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