Weser-Kurier: In der Zwickmühle
Zum Verhältnis zwischen den USA und Ägypten
ID: 903997
nahöstlichen Zwickmühle. Diesmal ist es das ägyptische Dilemma, das
ihn zum Statisten stempelt, zum hilflosen Zuschauer, der schon den
arabischen Frühling nur am Spielfeldrand verfolgte, der mit dem
autokratischen Husni Mubarak einen alten Verbündeten Amerikas ziehen
ließ und später, als Syrien im Strudel des Bürgerkrieges versank,
lange nur abwarten konnte. Die Geschehnisse am Nil stellen ihn vor
einen neuen Balanceakt. Da stürzt eine von den USA finanzierte und
bewaffnete Armee einen Präsidenten, der sein Amt der ersten
demokratischen Wahl in der Geschichte Ägyptens verdankt. Nicht nur
das: Mit Mohammed Mursi verband Obamas Riege die Hoffnung auf eine
historische Wende im Verhältnis zu den Islamisten der arabischen
Welt. Allein die Verantwortung des Regierens würde dogmatische
Prediger im Laufe der Zeit schon mäßigen, aus Ideologen mit
Glaubenssprüchen auf den Lippen Pragmatiker mit Augenmaß werden
lassen, war das Kalkül. Im Gazastreifen würde die Hamas, der
palästinensische Zwilling der ägyptischen Muslimbrüder, irgendwann
auf die Aussöhnung mit Israel einschwenken. In einem Syrien nach
Assad wären Islamisten an der Macht beteiligt, ohne dass im Westen
gleich schrille Krisenszenarien kursierten. Das alles verknüpfte sich
aus amerikanischer Sicht mit dem Experiment Mursi. Und obwohl es
millionenfache Proteste waren, die Ägyptens Militär in seinem Handeln
bestärkten, obwohl Mursi auf den Spuren des Autokraten Mubarak zu
wandeln begann, ein Putsch bleibt ein Putsch. Insgeheim mag Obama
froh sein über den erzwungenen Wandel. Die Generäle, aus Sicht des
Weißen Hauses sind sie bekannte Größen. Etliche haben ihr Handwerk an
amerikanischen Militärakademien erlernt, das Pentagon pflegt engste
Kontakte zu ihnen. Wenn Washington überhaupt noch Einfluss auf die
Geschicke Ägyptens nehmen kann, dann über die Armee. Allerdings,
schwerer als kurzfristige geopolitische Interessen wiegt das Prinzip,
soll der alte Zynismus des Kalten Krieges nicht ein fatales Comeback
feiern. Auf absehbare Zeit kann kein amerikanischer Präsident mehr
glaubhaft das zarte Pflänzchen arabischer Demokratie beschwören, wenn
das Oval Office in dem Moment applaudiert, da eine Armee das Ergebnis
eines einwandfrei demokratischen Votums faktisch für ungültig
erklärt. Das heißt, Obamas eigentlicher Test steht noch aus. Er muss
zeigen, dass er es ernst meint, wenn er die Generäle in Kairo
ermahnt, schnellstmöglich den Weg zu Neuwahlen zu ebnen.
Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 04.07.2013 - 21:42 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 903997
Anzahl Zeichen: 2919
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bremen
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 419 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Weser-Kurier: In der Zwickmühle
Zum Verhältnis zwischen den USA und Ägypten"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Weser-Kurier (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz hat das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz begrüßt: "Die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum können erheblich sein. Daran besteht kein Zweifel", sagte der Chefökonom d
Banaszak: Grüne wollen Borkum-Abkommen verhindern ...
Der Parteichef der Grünen, Felix Banaszak, sieht sich durch Entscheidung des Bundesrats, keine Stellungnahme zum Gesetzes über ein Unitarisierungsabkommen mit den Niederlanden im Rahmen der geplanten Gasförderung vor Borkum abzugeben, bestätigt: "Ich halte es weiterhin für notwendig, dass
Neue Nato-Vorgaben: Der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschuss, Thomas Röwekamp (CDU), spricht sich für eine allgemeine Dienstpflicht aus ...
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, der Bremer CDU-Abgeordnete Thomas Röwekamp, spricht sich im "WESER-KURIER" (Bremen) wegen der neuen Nato-Vorgaben zur künftigen Truppenstärke der Bundeswehr für eine allgemeine Dienstpflicht aus. "Aus meiner Si
Weitere Mitteilungen von Weser-Kurier
Mittelbayerische Zeitung: Verhandlungsmacht ...
Von Hanna Vauchelle In den Beziehungen zwischen der EU und den USA ist in den letzten Tagen viel zu Bruch gegangen. Dass sich die Scherben trotzdem schnell wieder kitten lassen, ist nicht unwahrscheinlich. Schließlich haben beide Seiten ein großes Interesse an einem guten Verhältnis. Dennoc
Mittelbayerische Zeitung: Versprechen gebrochen ...
Von Maria Gruber Als Mohammed Mursi vor einem Jahr zum Präsidenten Ägyptens gewählt wurde, gab er ein Versprechen ab: Er wollte Präsident aller Ägypter sein. Dieses Versprechen hat Mursi gebrochen. Denn er und seine Muslimbruderschaft haben ihren Regierungsauftrag falsch verstanden und s
Rheinische Post: Preis der Euro-Rettung ...
Die Euro-Krise ist noch lange nicht vorbei. In Portugal droht die Spar-Koalition zu scheitern, Griechenland fordert einen neuen Schuldenerlass. Und die Rezession in ganz Südeuropa macht die Hoffnung auf eine Überwindung der Schuldenkrise durch Wachstum zunichte. Wie ernst die Lage ist, machte g
Lausitzer Rundschau: Gute Idee - schlecht finanziert SPD will Investitionsprogramm für Deutschland ...
Wer über Deutschlands Straßen fährt oder sich in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen umschaut, merkt schnell, dass vielerorts etwas nicht stimmt. Fahrbahnen sind marode, und von den Wänden bröckelt der Putz. Das ist kein Wunder, denn die Infrastruktur wird hierzulande schon län




