Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Der Papst auf Lampedusa
Franziskus macht ernst
CARSTEN HEIL
ID: 905654
seine Symbolpolitik fort, er erreicht auch etwas damit. Indem er den
unteren Weg geht, macht er auf Lebenslagen von Menschen aufmerksam,
die sonst eher unbeachtet sind oder nur bei besonderen Tragödien
bekannt werden. Wenn Franziskus seine erste Auslandsreise als Papst
nicht nach New York, Berlin oder Moskau, sondern nach Lampedusa
macht, wandelt er auf den Spuren Jesu. Der wandte sich laut
biblischer Überlieferung ebenfalls den Kranken, Armen und Schwachen
zu. Die reichen Menschen im Westen haben sich zwar daran gewöhnt, mit
mehr oder weniger wohligem Schauer in der Weihnachtspredigt davon zu
hören, dass sich der Gott der Bibel den Ärmsten zuwendet. Aber so
richtig ernst nehmen sie diese christliche Ermahnung nicht. Das ist
nicht zuletzt an der kaltherzigen Asylpolitik der EU zu erkennen, die
von Abwehr Deshalb ist Franziskus eine Provokation für die
wohlhabende Welt. Er macht Ernst in seiner Demut. Er predigt nicht
nur Wasser, er trinkt es auch. Es ist ihm mit seinem Besuch gelungen,
dass die Welt auf dieses Eiland des Flüchtlingselendes schaut. Das
ist aber nur der erste Schritt. Was tun, um die Not der Menschen zu
lindern? Was tun, um zu verhindern, dass Tausende auf ihrer Flucht im
Mittelmeer ertrinken? Wie den Männern, Frauen und Kindern des
Kontinents Hoffnung und Perspektive zu Hause geben? Symbole müssen in
Realität gewandelt werden. Sicher ist, dass Europa nicht alle Nöte
des afrikanischen Kontinents beseitigen kann. Auch nicht, wenn alle
Ausreisewilligen in Europa willkommen wären. Ein Anfang wäre schon,
mit der westlichen Landwirtschaftspolitik und dem westlichen
Finanzgebaren nicht zur Verschärfung der Lage beizutragen. Und die
Flüchtlinge wenigstens menschenwürdig zu behandeln.
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Datum: 08.07.2013 - 20:00 Uhr
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