Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Syrien
ID: 924805
liegt in Moskau. Und das in mehrfacher Hinsicht. Zum einen blockiert
das russische Veto jede Demarche der UNO. Zum Zweiten braucht Moskau
für seine Mittelmeerflotte einen Tiefseehafen, das syrische Tarsus
ist unverzichtbar. Der Versuch, mit Zypern über Milliardendarlehen
während der zyprischen Zahlungskrise ins Geschäft zu kommen, ist
vorerst gescheitert. Apropos Milliarden: Putin sähe es nicht gern,
wenn, zum Dritten, die mehr als 20 Milliarden Euro, die Damaskus
Russland schuldet, abgeschrieben werden müssten. Und zum Vierten, das
ist momentan das vitalste Interesse, konzentrieren sich in Syrien
Terroristen aller Länder, auch aus Tschetschenien und überhaupt dem
Kaukasus. In der Tat spricht manches dafür, dass die diskrete
Information zutrifft, wonach von Russen trainierte und geführte
Spezialeinheiten in Syrien Menschenjagd auf kaukasische Islamisten
machen - mit stiller Zustimmung Washingtons. Solange das Regime Assad
diese Interessen Russlands bedient, solange wird Putin dieses Regime
halten. Aber der Geheimdienstmann Putin hat beim KGB auch gelernt,
dass man in Alternativen denken muss. Das Regime Assad ist nicht
alternativlos. Moskau baut bereits einen Geschäftsmann als Nachfolger
Assads im Ausland auf. Vor allem aber wird man im Kreml einer alten
Idee neu nachgehen: Kurdistan. Die Islamisten betrachten die Kurden
als Gottlose und behandeln sie im Norden Syriens entsprechend. Ein
ganzes Dorf wurde im Juli in Geiselhaft genommen, einige Dutzend
Männer, die sich wehrten, wurden sofort getötet, Frauen mussten sich
auf dem Marktplatz ausziehen, die Kinder müssen seither in ihren
Schulen die Shahada, das Glaubensbekenntnis der Muslime, ständig
wiederholen. Die Islamisten werden von der Türkei unterstützt, Ankara
fürchtet, dass die Kurden die Bürgerkriegssituation für ihr
Unabhängigkeitsstreben nutzen könnten. Immerhin sind die Kurden mit
rund drei Millionen Menschen die größte Minderheit Syriens, selbst
die herrschenden Alawiten zählen weniger. Es ist ein Volk mit eigener
Sprache, eigener Kultur, mehreren Religionen. Ihr Siedlungsgebiet
erstreckt sich über Teile Syriens, des Irak, des Irans und der
Türkei. Und unter dem Boden des virtuellen Kurdenstaates liegt viel
Öl, der Staat wäre ein Machtfaktor in der Region und das wollen
Ankara, Teheran und Bagdad um jeden Preis vermeiden. Jetzt wehren
sich die Kurden besonders gegen die islamistischen Organisationen
EIIL (Islamischer Staat im Irak und in der Levante) und die Al Nusra.
Sie sind kaum bewaffnet. Wer ihnen hilft, hat im neuen Mittleren
Orient, der sich nach dem Bürgerkrieg in Syrien und der
wahrscheinlichen Teilung des Landes bilden wird, eine Trumpfkarte.
Sich hier einzumischen, und sei es nur aus humanitären Gründen, wäre
sicher sinnvoller als die wahltaktische Nahost-Reise des deutschen
Außenministers. Moskau scheint da klüger zu sein.
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Datum: 11.08.2013 - 21:00 Uhr
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