WAZ: Städte wollen Verbot von Glücksspiel-Automaten in Gaststätten

WAZ: Städte wollen Verbot von Glücksspiel-Automaten in Gaststätten

ID: 973555
(ots) - Die Städte in Deutschland machen Front gegen die
Spielsucht. Sie fordern, dass die künftige Bundesregierung den
Betrieb von Geldspielautomaten in Kneipen und Gaststätten generell
verbietet. Heute sind dort bis zu drei Automaten erlaubt.

Auch in Spielhallen sollten nur noch die Unterhaltungsspiele
erlaubt sein, die keine Gewinnmöglichkeiten eröffnen, sagte Helmut
Dedy, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Städtetages, im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung
(WAZ, Montagausgabe) in Essen.

Laut Dedy leiden rund eine halbe Million Menschen in Deutschland
leiden unter Spielsucht. "Drei Viertel aller Spielsüchtigen geben an,
dass Geldspielgeräte der Einstieg waren", so Dedy. Es sei ein
"ernstzunehmendes Problem", dass seit der Liberalisierung der
Spieleverordnung 2006 die Zahl der Glücksspielautomaten um ein
Drittel auf über 240.000 gestiegen sei. "Die Branche setzt inzwischen
jährlich 18,1 Milliarden Euro um. Gleichzeitig verschandeln
Spielhallen die Städte."

Der Vorstoß des Städtetages ist eine Reaktion auf das Scheitern
eines Gesetzentwurfs in der letzten Wahlperiode. Damals unter der
schwarz-gelben Bundesregierung sollten weniger tiefgehende
Korrekturen, so die Reduzierung der Zahl der Spielgeräte auf eines,
vorgenommen werden. Wegen einer breiten Debatte im Bundesrat gelang
es aber nicht mehr, das Gesetz vor der Bundestagswahl zu
verabschieden. Offenbar sehen die Kommunen jetzt die Chance für einen
neuen, viel weiter reichenden Anlauf. Ein Verbot von
Glücksspielautomaten in Gastst ätten sei auch deshalb sinnvoll, weil
"das geltende Spielverbot für unter 18-Jährige dort nicht eingehalten
wird", sagte Dedy. Dagegen sei nach einem Verbot der Einsatz der
Automaten nur noch in Spielcasinos erlaubt. "Dort kann Jugendlichen
der Zugang wirkungsvoll verwehrt werden."



Höchst umstritten ist auch das Angebot, an den Automaten
"Punktespiele" zu machen. Dabei werden Punkte "gekauft", die später
zum Gewinn eingesetzt werden können. Allerdings umgehen die
Aufsteller damit die gesetzlich vorgeschriebene Höchstspieldauer. Der
Städtetag glaubt: "Diese Punktespiele erhöhen das Suchtpotenzial
erheblich."



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Datum: 04.11.2013 - 05:00 Uhr
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