Parteiunabhängige nähern sich der absoluten Mehrheit
ID: 367744
Die"Partei der Nichtwähler"wächst stetig, aber ein weiterer Trend wird häufig außer Acht gelassen: Bei kommunalen Direktwahlen haben zunehmend parteilose Kandidaten die Nase vorn.
Denn, so bringt es Natalie Steger vom ZDF Landesstudio Sachsen, die Moderatorin der Tagung, auf den Punkt: "Gerade weil Sie in keiner Partei sind, müssen Sie vernetzt sein. Sie müssen wissen, wo Sie unabhängige Beratung herbekommen."
Dabei eint diese Mandatsträger eine Maxime: Sie fühlen sich ausschließlich "Ihren Bürgerinnen und Bürgern" verpflichtet und keiner Parteiräson. Dieser Grundsatz ist mittlerweile so erfolgreich, dass Kandidaten mit Parteibuch zunehmend im Wahlkampf ihre Parteizugehörigkeit unter den Tisch fallen lassen. Kein Wunder, denn lt. Politik-Professor Hans-Georg Wehling (Universität Tübingen) ist bereits "die Wahlempfehlung einer Partei für einen Kandidaten ziemlich tödlich", wie er unlängst dem Südkurier verriet.
Beispiele für "plötzlich Parteilose" gibt es auch bei den kommenden Direktwahlen am 27. März 2011 in Hessen. Sicherlich werden die entsprechenden Kandidaten ganz andere Hintergründe für ihre Aufstellung als Unabhängige vorbringen, aber die Untersuchungen verschiedener Politikwissenschaftler belegen: "Ein parteiloser Kandidat hat schlicht die besseren Chancen", wie auch Oscar Gabriel (Universität Stuttgart) im September 2009 in der Stuttgarter Zeitung betonte. In Baden-Württemberg, wo bereits seit Generationen der Schultheiß direkt gewählt wird, hat die Unabhängigkeit des Kandidaten schon traditionell eine große Bedeutung - mittlerweile sind über 50% der hauptamtlichen Bürgermeister dort parteilos. Aber auch in den Bundesländern, die erst vor jüngerer Zeit die Direktwahl eingeführt haben, steigen die Chancen für parteilose Bewerber.
Nach Auswertung der aktuellen Daten der Statistischen Landesämter sind von den hauptamtlichen (Ober-)Bürgermeistern der Städte und Gemeinden in den nachfolgenden Bundesländern parteilos*:
- Baden-Württemberg: über 50 %
- Bayern: mehr als 1/3
- Brandenburg: über 40 %
- Hessen: mehr als 1/3
- Mecklenburg-Vorpommern: knapp 1/3
- Niedersachsen: über 40 %
- Nordrhein-Westfalen: knapp 1/5
- Rheinland-Pfalz: knapp 15 %
- Saarland: 1/13
- Sachsen: fast 50 %
- Sachsen-Anhalt: fast 50 %
- Schleswig-Holstein: über 50 %
- Thüringen: mehr als 1/3
Bundesweit sind damit fast 44 % aller hauptamtlichen (Ober-)Bürgermeister ohne Parteizugehörigkeit. Bei den Landräten sind es immerhin schon nahezu 20 %.
---
Hintergrund
Bürgermeister werden, außer in den Stadtstaaten sowie Bremerhaven, in allen Bundesländern direkt gewählt - entsprechend der Süddeutschen Ratsverfassung, die, ursprünglich nur in Bayern und Baden-Württemberg vorherrschend, sich seit Ende der 1990er Jahre in nahezu allen Kommunalverfassungen durchgesetzt hat (Ausnahme: Hessen). Mit dem Wechsel des Verfassungstyps inklusive der Einführung von mehr direktdemokratischen Beteiligungsformen, wie der Direktwahl-, aber auch Abwahlmöglichkeit von Bürgermeistern und Landräten, dem Bürgerentscheid sowie dem Bürgerbegehren, versprach man sich auch, der allgemeinen Politikverdrossenheit entgegenzuwirken. Ein weiterer Effekt ist die schwindende Präsenz der Parteien an der Kommunalspitze, denn durch die Direktwahlmöglichkeit kommen zunehmend Parteilose ans Ruder. Mittlerweile suchen sogar immer öfter Parteien - mangels geeigneter Kandidaten in den eigenen Reihen - per Stellenanzeige nach (meist parteilosen) Bewerbern, die über das erforderliche Führungs- und Fachpotential verfügen.
Die Bevölkerung traut den Politikern offenbar immer weniger zu, der Kommune und der Partei gleichermaßen zur vollsten Zufriedenheit dienen zu können. Hinzu kommen oft genug die Verärgerung über parteipolitische Grabenkämpfe oder politischen Filz, was nicht unbedingt zu Politik-, aber gewiss zu Parteienverdrossenheit führen. Wenn dann ein Kandidat keine höhere Qualifikation als sein Parteibuch aufzuweisen hat, entscheiden sich die Wähler bevorzugt für den Bewerber mit der größten Parteiendistanz - und natürlich mit der größten Sachkenntnis. Lt. Dr. Timm Kern, Autor des Buches "Warum Bürgermeister abgewählt werden", wählt die Bevölkerung einer Gemeinde zunehmend Kandidaten mit Verwaltungsfachwissen. Ein Trend, der sicherlich nicht unerwünscht ist.
---
*Hinweis zu den Zahlen:
Die Daten der Statistischen Landesämter müssen bzgl. der Parteizugehörigkeit der angegebenen Mandatsträger überwiegend nachrecherchiert werden, da die Angabe einer Parteimitgliedschaft nicht Pflicht ist. In der Regel wird angegeben, wer den Wahlvorschlag gemacht hat. Somit ergibt sich folgende Problematik:
- Ein Kandidat, der Träger des Wahlvorschlags einer Partei ist, muss nichtzwangsläufig Parteimitglied in der Partei sein, für die er antritt.
- Ein Kandidat, der ohne Angaben zum Träger des Wahlvorschlags antritt, kann Mitglied in einer Partei sein.
Das herauszufinden, ist überwiegend Handarbeit und birgt eine Fehlerquelle, die es nicht zulässt, absolute Zahlen zu nennen - zumal auch immer wieder Mandatsträger aus einer Partei austreten oder Mitglied einer Partei werden. Die bundesweite Tendenz ist aber eindeutig.
---
Weitere Details zur Tagung stehen unter www.der-buergermeistertag.de im Internet bereit.
Aktuelle Informationen sind auch über Facebook und Twitter erhältlich:
Facebook www.facebook.com/pages/Der-Burgermeistertag/109084545833727?v=wall
Twitter www.twitter.com/#!/derbmtag
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
oberb-rgermeister
ob
wahl
b-rgermeister
b-rgermeisterwahl
landrat
landratswahl
mandatstr-ger
parteilos
parteiunabh-ngig
berparteilich
parteizugeh-rigkeit
partei
parteibuch
parteiloser
freie
direktwahl
netzwerk
kommunalwahl
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Seit 2000 organisiert und betreut Susanne Sitte-Zöllner Buchlesungen, Vortragsveranstaltungen und Tagungen, so auch von 2006 bis 2010 die "Bundestagung parteiunabhängiger Bürgermeister und Landräte".
Seit 2011 ist S-Z & Partner Veranstalter von "Der Bürgermeistertag".
S-Z & Partner
Susanne Sitte-Zöllner
Bautzner Landstr. 73c
01324
Dresden
info(at)der-buergermeistertag.de
0351-2798806
http://www.der-buergermeistertag.de
Datum: 16.03.2011 - 09:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 367744
Anzahl Zeichen: 6218
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Susanne Sitte-Zöllner
Stadt:
Dresden
Telefon: 0351-2798806
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Meldungsart:
Anmerkungen:
Diese Pressemitteilung wurde bisher 644 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Parteiunabhängige nähern sich der absoluten Mehrheit"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
S-Z&Partner (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Über 44% aller Städte und Gemeinden und 20% aller Landkreise werden von Parteilosen regiert. Für sie findet 'Der Bürgermeistertag' am 26./27.4.2012 in Dresden statt. Einmal im Jahr haben die Kommunalpolitiker Gelegenheit, um sich persönlich kennen zu lernen. Vorträge, Diskussionsrund
Der Bürgermeistertag 2012 ...
44% aller Städte und Gemeinden und 20% aller Landkreise werden von Parteilosen regiert. Für sie findet 'Der Bürgermeistertag' am 26./27.4.2012 in Dresden statt. Die, meist direkt von den Bürgern gewählten Mandatsträger, sind in allen Bundesländern zu finden. Wie bereits die Stuttga
Landeshauptstadt Dresden begrüßt parteilose Bürgermeister und Landräte ...
Am 12. und 13. Mai 2011 werden 60 parteilose (Ober-)Bürgermeister und Landräte in Dresden zur bundesweit einzigen kommunalen Fachtagung für parteiunabhängige Bürgermeister und Landräte erwartet. In Vertretung der erkrankten Oberbürgermeisterin Helma Orosz, wird der Zweite Bürgermeister, Detl
Weitere Mitteilungen von S-Z&Partner
Kein Moratorium ohne Gesetz ...
Zu dem von der Bundesregierung angekuendigten Moratorium zu den Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke erklaert die Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion Brigitte Zypries: Die Bundestagsmehrheit von CDU/CSU und FDP hat das Gesetz zur Laufzeitverlaengerung beschlossen. Dieser Verlaengerungsbesch
Deutsche Forscher unterstützen Japan ...
Wissenschaftsakademien bieten Expertise zu Strahlenschutz und Energieversorgung an. Ministerin Schavan lädt zu Spitzengespräch ein Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland bieten Japan Hilfe bei der Bewältigung der Naturkatastrophe an. Die großen Forschungseinrichtungen in D
Polizeifusion zu Recht gescheitert ...
Fusion von Bundespolizei und BKA musste scheitern, weil sie verfassungswidrig gewesen wäre und zu Recht den Widerstand von Bürgerrechtsorganisationen und Ländern hervorgerufen hat. Zugleich war das Projekt unnötig und stieß, ebenso zu Recht, auf den Widerstand der Polizeigewerkschaften", e
Erstes vdek-Zukunftsforum: Auswirkungen des demografischen Wandels werden überschätzt ...
Berlin - Das Thema demografischer Wandel steht hoch im Kurs. Die steigende Lebenserwartung, eine sich verändernde Altersstruktur, Verschiebungen im Krankheitsspektrum, ein hohes Maß an Pflegebedürftigkeit, all das wird mit dem demografischen Wandel verbunden. Auf dem ersten vdek-Zukunftsforum dis




