Allg. Zeitung Mainz: Verantwortung gefragt / Kommentar zu Streiks imöffentlichen Dienst
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Das ist hart, für alle Beteiligten und Betroffenen. Für die
berufstätige Mutter, die auf einen Kita-Notdienst angewiesen ist,
oder den Pendler, der wegen Verspätung Riesenärger im Betrieb
bekommt, ist es akut auch kein wirklicher Trost, sich an die
staatsrechtlichen Grundlagen des Streikrechts zu erinnern. Dennoch
wird niemand ernsthaft bestreiten, dass die grundgesetzlich
garantierte Koalitionsfreiheit, das Recht, Gewerkschaften zu bilden
und unter klar definierten Bedingungen einen Arbeitskampf zu führen,
zu den Errungenschaften des Sozialstaats zählt. Die Tarifautonomie
ist eine gute Sache. In der alten Bundesrepublik hat der
Interessenausgleich zwischen den Sozialpartnern, die ja nicht von
ungefähr so heißen, letztlich stets zu vernünftigen, mindestens
vertretbaren Ergebnissen geführt und war damit ein Grundpfeiler der
Prosperität des Landes. Was dagegen Staatswirtschaft anrichten kann,
bekamen die Bürger Ostdeutschlands nach dem Bankrott der DDR und der
Wiedervereinigung bitter am eigenen Leib zu spüren. Die Arbeitswelt
des 21. Jahrhunderts ist auch im vereinten Deutschland knüppelhart.
Da hat, wer Arbeitnehmerrechte angemessen und effizient vertreten
will, alle Hände voll zu tun. Wichtigste Grundlagen jeder
Tarifauseinandersetzung sind wechselseitiger Respekt, die
Verhältnismäßigkeit der beiderseits eingesetzten Mittel und nicht
zuletzt die Erkenntnis, dass man sich im Leben immer mindestens
zweimal trifft. Die Gewerkschaft Verdi sitzt derzeit an einem sehr
langen Hebel. Sie agiert außerordentlich offensiv. Sie wird deshalb
umso aufmerksamer darauf zu achten haben, verantwortungsvoll mit der
eigenen Stärke umzugehen.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 25.03.2014 - 19:27 Uhr
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