Allg. Zeitung Mainz: Gewurstel / Kommentar zu Wahlen
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ging durchaus schon mal zu wie auf dem Basar. Jetzt aber wird es
völlig skurril. Beispiel Thüringen. Da richten sich die Augen auf die
Grünen, ob sie gegebenenfalls Schwarz-Rot zu einer breiteren Mehrheit
verhelfen würden. Oder doch lieber rüber zu Rot-Rot? Die SPD ist in
einer ähnlichen Zwickmühle:als Verlierer gesenkten Hauptes zu Frau
Lieberknecht kommen? Oder Rot-Rot-Grün? Wobei es weder Grünen noch
Sozialdemokraten gut bekäme und zu beiden auch nicht passt, den
ersten Linken-Ministerpräsidenten Deutschlands ins Amt zu hieven. Was
bleibt denn noch übrig vom Markenkern von Parteien, wenn sie unter
vorwiegend taktischen Aspekten von Wahl zu Wahl den Koalitionspartner
wechseln wie ein Hemd? Eines darf bei diesem Szenario dann auf keinen
Fall passieren: Dass sich über "die da oben" jemand aufregt, der
selbst am Sonntag nicht gewählt hat. Juristisch gibt es zwar keine
Wahlpflicht, moralisch aber schon. Sonntags nicht wählen gehen und
montags schimpfen - das ist schräg. Das Gewurstel, das früher milder
war und "Regierungsbildung" hieß, hat sicher auch etwas mit
zunehmender Wahlverweigerung zu tun. Je weniger Bürger wählen, desto
höher die Wahrscheinlichkeit, dass Parteien wie die AfD reüssieren,
über die man, bei Lichte besehen, programmatisch nichts, aber auch
gar nichts weiß. Wollen die komplett raus aus der EU und dem Euro?
Sind die gegen Asylrecht? Gibt es Neonazis bei der AfD, wenn ja, wie
viele? Niemand weiß es - und das reicht für zwölf Prozent. Die
Wahlbeteiligung liegt um die 50 Prozent. Nichts wissen wollen und
nicht wählen, oder lieber die wählen, über die man nichts weiß - das
kann doch nicht die Zukunft dieses Landes sein.
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Florian Giezewski
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Datum: 15.09.2014 - 19:03 Uhr
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