Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel: Höchststrafe für die Ankläger/Die Staatsanwaltschaft vermu

Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel: Höchststrafe für die Ankläger/Die Staatsanwaltschaft vermutete in Regensburg einen Korruptionssumpf. Übrig blieb davon nichts/von Josef Pöllmann

ID: 1734565
(ots) - Endlich Gewissheit. Nach 60 Prozesstagen
verlässt Joachim Wolbergs das Landgericht Regensburg ohne Strafe. Die
Richter wischten in der Urteilsbegründung Anklagepunkt um
Anklagepunkt vom Tisch. Übrig blieb eine Vorteilsnahme in zwei Fällen
für Spenden in Höhe von 150 000 Euro zwischen 2015 und 2016, als
Wolbergs schon OB war. Aber auch hier sah die Strafkammer keine
Anhaltspunkte, dass er von Strohmannspenden wusste oder mit ihnen
rechnete. Ein Verstoß gegen das Parteiengesetz kam deswegen nicht in
Betracht. Für Joachim Wolbergs ist dieses Urteil ein gefühlter
Freispruch. Jetzt stellt sich die Frage, ob die Landesanwaltschaft
die Suspendierung vom OB-Amt aufhebt und ihn ins Alte Rathaus
zurücklässt. Auch wenn die Behörde gestern noch auf die Bremse trat
und das Urteil erst einmal bewerten will, kann am Ende nur ein klares
Ja stehen. Denn nach dem Mammutprozess steht fest: Der OB war nicht
käuflich. Eine nun mögliche Revision beim Bundesgerichtshof und
weitere Prozesse, die gegen Wolbergs anstehen, sehen nach der
Beweislage im beendeten Verfahren sogar Justiz-Experten kritisch.
Wolbergs wird sich im Klaren darüber sein, dass er trotz des
Freispruchs in Regensburg viele Sympathien verloren hat. Seine
fehlenden Management-Qualitäten, die im Prozess zur Sprache kamen,
dürften einstige Fans erschreckt haben. Immer wieder entschuldigte er
sich vor Gericht mit Schludrigkeiten. Er gab zu, in
Vertragsbesprechungen beim Notar nicht zugehört zu haben. Bei
wichtigen Themen habe er Mails nicht gelesen. Wolbergs wäre beinahe
an sich selbst gescheitert. Denn das Verfahren war ein
Indizienprozess, in dem am Ende nur zählte, wem das Gericht mehr
Glauben schenkt. Und Wolbergs hatte Glück, dass es ihm mehr glaubte.
Paradox ist: Gerade für diese Hemdsärmeligkeit in seiner Amtsführung
hatten ihn viele Regensburger geschätzt. Hier eine Hilfe, da eine


Unterstützung. Wolbergs, der Kümmerer. Die Menschen glaubten, "Wolli"
sei einer von ihnen - kein steriler Aktenfresser. Wenn er ins Amt
zurückkehrt, werden die Regensburger einen zurückhaltenderen Joachim
Wolbergs erleben. Die Regensburger Stadtverwaltung hat jetzt die
Aufgabe, die Folgen des Prozesses aufzuarbeiten. Ob es intern dafür
Personen mit Leader-Fähigkeiten gibt, die das können, ist unklar.
Dabei braucht es eine genaue Analyse und Antworten auf wichtige
Fragen: Wie nah dürfen sich Politik und Wirtschaft kommen? Dass ein
Stadtratsmitglied in der Vorbereitung von Ausschreibungen Dokumente
an Bauträger herausgibt, ist ein Unding. Und: Wie ernst nimmt das
Personal Regelungen gegen Korruption? Denn die Haltung von
Führungskräften und die Sensibilität der Mitarbeiter sind genauso
wichtig wie eine funktionierende Anti-Korruptionsrichtlinie. Eine
weitere Behörde kämpft nach dem Urteil im Fall Wolbergs um ihr
Ansehen: die Regensburger Staatsanwaltschaft. Die vielen Pannen, die
sich Ankläger und Polizei seit dem Beginn der Ermittlungen geleistet
haben, bedürfen der Aufklärung. Die Richterin klagte mehrmals über
diese Schlampereien und konstatierte, die
Telekommunikationsüberwachung habe "nichts als Ärger" bereitet. Damit
meinte sie nicht nur Gespräche, die Privatangelegenheiten der
Angeklagten betrafen oder Telefonate mit Verteidigern, die nicht
gelöscht wurden. Skandalös waren die Verschriftungen der
Telefonüberwachung, in denen entscheidende und entlastende Passagen
fehlten oder falsch interpretiert wurden. Mehrmals war vor Gericht
von erheblichen Grundrechtsverstößen die Rede. Clemens Prokop, der
künftige Chef der Staatsanwaltschaft, hat eine Herkulesaufgabe vor
sich. Er muss eine Untersuchung anstoßen, aufklären und Schuldige
klar benennen, um das Misstrauen gegen die Ankläger dauerhaft
auszuräumen.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Mitteldeutsche Zeitung: zum Zentrum für Cybersicherheit Badische Zeitung: Krach in der Koalition: Die Ohnmacht der SPD /
Kommentar von Jan Dörner
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 03.07.2019 - 19:32 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1734565
Anzahl Zeichen: 4358

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 735 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel: Höchststrafe für die Ankläger/Die Staatsanwaltschaft vermutete in Regensburg einen Korruptionssumpf. Übrig blieb davon nichts/von Josef Pöllmann"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


Mitteldeutsche Zeitung: zum Zentrum für Cybersicherheit ...
Ob Datenklau, Erpresserwellen, Sabotage oder Spionage - Cyber-Kriminalität befindet sich auf dem Vormarsch. Der IT-Verband Bitkom beziffert den jährlichen Schaden inzwischen auf etwa 20 Milliarden Euro in Deutschland. Es ist daher prinzipiell eine gute Entscheidung der Bundesregierung, eine

Mitteldeutsche Zeitung: zu SPD-Kandidatenkür ...
Diesmal ist das Rennen offen. Wichtig ist, dass Roth und Kampmann nicht auf eine reine Wohlfühl-Kandidatur setzen, sondern für den Fall ihrer Wahl auch Veränderungen in der Partei ankündigen. Viele in der SPD werden zustimmen, wenn es darum geht, mehr Vertreter aus den Kommunen in den Vorstand

Mitteldeutsche Zeitung: zu EU-Personal ...
Das Spitzenkandidaten-Modell könnte die europäische Demokratie stärken. Dafür aber bräuchte es europaweit antretende Parteien und transnationale Wahllisten. Solange aber die europäische Parlamentswahl die Summe vieler nationaler Wahlen ist, gibt es keinen gesamteuropäischen Spitzenkandidat

neues deutschland: Kommentarüber das Grundsatzurteil zur ärztlichen Suizidbeihilfe ...
Tod, Suizid und Sterben sind in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert. Um so heftiger werden alle Versuche diskutiert, in den Umgang mit diesen Themen eine gewisse Ordnung zu bringen. Da gibt es Positionen, die überall Geschäftemacherei vermuten, mehr noch: die endgültige Verwertung des


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z