Rheinische Post: Kommentar /
Zu wenig für einen Befreiungsschlag
= Von Maximilian Plück
ID: 1743717
Prozent, eine nach unten korrigierte Prognose für das Geschäftsjahr,
ein voraussichtlicher negativer Cashflow von zwei Milliarden Euro -
und trotzdem setzte sich die Aktie des Essener Industriekonzerns
Thyssenkrupp am Donnerstag zeitweise an die Spitze des Deutschen
Aktienindex.
Verkehrte Welt an den Börsen? Mitnichten. Die Anleger feiern das
Lebenszeichen, das Konzernchef Guido Kerkhoff bei der Vorstellung der
Zahlen für das dritte Quartal am Donnerstagmorgen in die Welt
schickte. Der Kurssprung spiegelt die Erleichterung darüber wider,
dass nach den schier endlos erscheinenden, zähen Monaten bei
Thyssenkrupp wieder etwas in Bewegung kommt. Die Ankündigung, dass
schwierige Geschäftsfelder nicht länger mit durchgeschleppt und zur
Not verkauft werden sollen, ist so ganz im Sinne der Aktionäre.
Dabei ist der Manager jedoch Konkretes weitestgehend schuldig
geblieben. Für einen echten Befreiungsschlag war das nun Präsentierte
dann doch zu wenig. Die selbstbewusste Arbeitnehmerschaft erwartet
mehr als nur vage Ankündigungen. Sie wird die Vorstellungen des
Managements extrem kritisch begleiten. Schließlich ist in den
vergangenen Monaten extrem viel Vertrauen verspielt worden. War es
doch Kerkhoff, der erst das an den Bedenken der EU-Kommission
gescheiterte Tata-Joint-Venture als Allheilmittel darstellte und
später die inzwischen ebenfalls beerdigte Teilung des Konzerns zum
großen Rettungsplan hochstilisierte.
Dem Thyssenkrupp-Chef läuft die Zeit davon: Wenn sich die
Konjunktur noch weiter eintrübt, werden die ohnehin kaum noch
vorhandenen Spielräume noch enger. Und dann könnte es am Ende auch
eng für den Vorstandschef selbst werden.
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Datum: 08.08.2019 - 21:00 Uhr
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