Allg. Zeitung Mainz: Klebrig / Kommentar von Friedrich Roeingh zu Sigmar Gabriel
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sich seine politische Karriere als Boss des Verbands der Automobilindustrie
vergolden lassen und kein Aufschrei der Genossen? "Das wird Menschen stören",
gibt allzu vorsichtig Norbert Walter-Borjans zu Protokoll - einer der beiden
Stichkandidaten um den Parteivorsitz (Tiere, so möchte man sarkastisch
hinzufügen, mag das weniger stören). Kein Wort dagegen von seinem Gegenspieler
Olaf Scholz. Die Interimsvorsitzende Malu Dreyer drückt sich ebenfalls vor einem
Statement. Wohingegen SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil die klebrige Nummer
auch noch schönredet. Ist Gabriels Coup - der sein Bundestagsmandat "aus sehr
persönlichen Gründen" niederlegen wollte - sogar mit der Parteispitze
abgestimmt? Wahrscheinlicher ist, dass die Genossen nicht einmal mehr den Mumm
aufbringen, ihrem ehemaligen Vorsitzenden in den Arm zu fallen. Und dass sich
die führenden Köpfe dieser 15-Prozent-Partei selbst nicht den Weg zu lukrativen
Versorgungsjobs abschneiden mögen. Wie, wenn nicht mit einem Mindestmaß an
politischer Hygiene, will denn die SPD Vertrauen zurückgewinnen? Wer sich nach
Gazprom-Schröder, Bundesbahn-Pofalla und VDA-Gabriel noch immer nicht für eine
Karenzzeit von mindestens vier Jahren zwischen Politik und Wirtschaft
ausspricht, braucht sich nicht zu wundern, dass die AfD mit ihrer Nazi-Vokabel
von den Systempolitikern weiter punktet. Ganz unabhängig davon, dass nach dem
Diesel-Betrug und dem Verschlafen der E-Mobilität die Politik mit der deutschen
Autoindustrie nicht schon wieder ins Bett steigen darf.
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Datum: 28.10.2019 - 19:07 Uhr
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