Harte Nüsse / Kommentar von Friedrich Roeingh zu Friedrich Merz
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Chapeau: Eindeutiger hätte Friedrich Merz den Wettlauf um den CDU-Vorsitz am Ende nicht für sich entscheiden können. Im dritten Anlauf und mithilfe der Basis hat es der machtbewusste Rückkehrer endlich geschafft. Formal löst er Armin Laschet ab, faktisch aber tritt Merz die Nachfolge Angela Merkels an. Der Angela Merkel, wegen der sich Merz lange aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte. Und der Angela Merkel, deren ausgleichendes Politikverständnis er seither bekämpft hatte. Dass die Partei Merz jetzt wollte, mag kaum überraschen. Wahrscheinlich wird Merz eher die Parteibasis und die Öffentlichkeit überraschen. Wer einen Rechtsruck-Merz erwartet, der einst die Wählerschaft der AfD halbieren wollte, wird sich nämlich täuschen. Der 66-Jährige ist zwar nicht der junge Retter der Union. Er ist aber schlicht zu schlau, um sich mit der Beschwörung überkommener Rezepte gegen die Ampel von Olaf Scholz profilieren zu wollen. Merz weiß, dass auch die Union zeitgemäße Antworten auf die Begrenzung des Klimawandels, den Rückstand in der Digitalisierung, den Umbau der Industriegesellschaft und auch für eine gesteuerte Zuwanderung finden muss. Allein mit der dringend nötigen Frauenoffensive in der CDU wird sich Merz schwertun. Den Gefallen aber, den Mann von vorgestern zu geben, wird er seinen Gegnern nicht tun. Schließlich muss die Union anschlussfähig zu Grünen und Liberalen bleiben, wenn sie wieder an die Macht kommen will. Die ersten harten Nüsse, die Merz knacken muss, liegen allerdings in der eigenen Partei: Wenn er den Anspruch des Oppositionsführers erfüllen will, muss er auch nach dem Fraktionsvorsitz im Bundestag greifen, den Ralph Brinkhaus nicht ohne Grund für sich beansprucht. Ironie der Geschichte: Hier muss Merz jetzt die Merkel machen, die ihn einst aus der gleichen Position gekickt hatte. Die härteste Nuss aber wartet in München und heißt Markus Söder. Wenn die beiden Alphatiere keinen Modus finden, sich besser aufeinander abzustimmen, als das bisher mit Söder möglich schien, dann kann sich die Union auf eine lange Zeit in der Opposition gefasst machen.
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Datum: 17.12.2021 - 18:09 Uhr
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