Schwäbische Zeitung: Raus, aber nicht sofort - Leitartikel
ID: 581624
US-Soldaten im Auslandseinsatz ohne Zweifel geübt. Folterbilder aus
dem Irak, Leichenschändungen aus Afghanistan - und nun die
Koranverbrennungen. Mit allergrößter Nachsicht könnte man im
aktuellen Fall von einer unabsichtlichen Dummheit ausgehen, im
Ergebnis macht dies jedoch keinen Unterschied. Das Vorgehen der
Amerikaner bringt alle Isaf-Truppen zusätzlich in Gefahr, da die
fanatischen Moslems in Afghanistan nicht zwischen gutmeinenden und
böswilligen ausländischen Soldaten unterscheiden. Deshalb mag es zwar
wie Feigheit vor dem Feinde wirken, wenn die Bundeswehr das Lager
Talokan vorzeitig räumt. Doch es wäre unsinnig gewesen, für sinnlose
Scharmützel Menschenleben zu riskieren. Der Versuch, die Afghanen in
zehn Jahren zu Freunden des Westens zu machen, ist offenbar
gescheitert. Ganz zu schweigen von einer Demokratisierung der
Gesellschaft nach westlichem Vorbild.
Die Taliban hinter ihren langen Bärten werden frohlocken über die
Unfähigkeit der Amerikaner. Einen besseren Vorwand, wieder einmal zum
Kampf gegen die "Ungläubigen" zu blasen, können sie sich kaum
wünschen. Aber auch hierzulande ist man inzwischen schnell dabei, die
afghanische Bevölkerung mit dem aufgebrachten Mob gleichzusetzen, der
deutsche Soldaten mit Steinen bewirft. Offenbar haben die Menschen
hüben wie drüben die Geduld verloren. Hier wegen des Gefühls, als
Dank für viel Hilfe noch mehr Ablehnung zu erfahren - und dabei wenig
bewirkt zu haben.
Hasenfüßig ist es deshalb nicht, den Abzug aus Afghanistan
voranzutreiben. Es ist vielmehr notwendig, sich einzugestehen, dass
man keinem Volk eine freiheitliche Gesinnung aufzwingen kann - schon
gar nicht mit militärischen Mitteln. Übereilt den Hindukusch zu
verlassen, wäre jetzt allerdings töricht. Denn jedes noch so kleine
Machtvakuum werden die Taliban mit Vergnügen besetzen. Diesem
Trauerspiel müssen die Deutschen noch Jahre zuschauen, daran führt
kein Weg vorbei.
Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
redaktion@schwaebische-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.02.2012 - 21:10 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 581624
Anzahl Zeichen: 2356
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Leutkirch
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 269 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Raus, aber nicht sofort - Leitartikel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung
Schwäbische Zeitung: Kein gutes Erscheinungsbild - Kommentar ...
In den Grundzügen ihrer Politik ist sich die grün-rote Stuttgarter Koalition einig. Doch sowohl in der Kommunikation als auch in der Feinabstimmung häufen sich die Patzer. Die Querelen um die Besetzung der Regierungspräsidenten zeigen das, der Disput zwischen Staatsministerium und Kultusmini
Rheinische Post: Minister greift durch ...
Ein Kommentar von Gerhard Voogt: NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hat den Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum suspendiert. In dem Gefängnis war es in diesem Jahr zu einer Pannenserie gekommen. Ein Häftling konnte aus einem ungesicherten Dachfenster entkommen. Ein weiterer
Rheinische Post: Bürger-Daten bleiben geschützt ...
Ein Kommentar von Gregor Mayntz: Die aktuelle Entscheidung des Verfassungsgerichtes schränkt den Polizei-Zugriff auf Bürgerdaten ein. Insofern ist sie beachtlich, wenn auch in ihren praktischen Auswirkungen eher von geringer Bedeutung. Wer schwere Straftaten begangen hat oder erkennbar plan
Rheinische Post: Bundeswehr-Rückzug ...
Ein Kommentar von Helmut Michelis: Der aufgewiegelte Mob bewirft ein Bundeswehr-Lager in Talokan mit Steinen - und schon treten die deutschen Soldaten den Rückzug an und bringen sich in Kundus in Sicherheit. Das klingt hasenfüßig und nach einer Kapitulation vor den Taliban, die die Protest




