Allg. Zeitung Mainz: Der Verdacht / Kommentar zu München 1972
ID: 714037
Deutschland. Bei den Olympischen Spielen 1972 ermordeten
Palästinenser Israelis. Es war blanker Terror, nicht
palästinensischer Befreiungskampf: Dies im kollektiven Bewusstsein
immer wieder wachzurufen, ist notwendig. Das Thema birgt viele
Erschütterungen, so auch aktuell, da Dokumenten des Auswärtigen Amts
zugänglich wurden. Sie lassen den Verdacht aufkommen, dass der
Bundesregierung in den siebziger Jahren keineswegs daran gelegen war,
die Mörder von München intensiv zu verfolgen. Mögliches Motiv:
Burgfrieden zu schließen mit den arabischen Staaten und der PLO.
Wurde München 1972 erneut zur Stadt der Appeasement-Politik, jener
Form von Beschwichtigung durch Zugeständnisse, mit der
Großbritanniens Premier Chamberlain 1938 Hitler im Münchner Abkommen
vom Krieg abhalten wollte? Historiker müssen herausfinden, ob dieser
Vergleich statthaft ist. Falls ja - es wäre fatal für Deutschland.
Und es wäre fatal für das Internationale Olympische Komitee, wenn
sich der Verdacht bestätigten sollte, den Hinterbliebene offen
äußern: Das IOC wolle eine Gedenkveranstaltung für die Opfer nicht in
den Rahmen von Olympischen Eröffnungsfeiern einbetten, weil arabische
Staaten dies als Brüskierung werten würden. "Schande über Dich",
schleuderte Ankie Spitzer, Witwe des ermordeten Fechttrainers André
Spitzer, dem IOC-Präsidenten Jacques Rogge deshalb kürzlich entgegen.
Allzu verständlich. Deutschland hat sich 1972 mit dilettantischer
Polizeiarbeit unfassbar blamiert - aber zumindest in Sachen
Sicherheit daraus gelernt. Das IOC dagegen blamiert sich alle vier
Jahre auf beschämende Weise - und nimmt dies bewusst in Kauf, weil
man es sich nicht mit arabischen Staaten verderben will.
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Datum: 04.09.2012 - 19:25 Uhr
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