Allg. Zeitung Mainz: Fassungslos / Kommentar zu Hoeneß
ID: 857390
München: Uli Hoeneß, der sich selbst immer wieder als eine Art Robin
Hood im Raubtier-Business inszenierte, hat offenbar dem Fiskus Gelder
vorenthalten, dass es nur so kracht. Und öffentlich gemacht hat er
dies nach Lage der Dinge erst dann, als sein Plan, durch ein Abkommen
Deutschlands mit der Schweiz anonym Ablass zu bekommen, nicht mehr
aufging. Es gilt natürlich wie immer auch jetzt die
Unschuldsvermutung. Auf die man fast inständig hoffen möchte, denn:
Treffen die Anschuldigungen zu, haben wir es mit einem wahren Abgrund
an Verlogenheit und Scheinheiligkeit zu tun. Bei Hoeneß selbst oder
vielleicht sogar noch bei dem einen oder anderen Amigo
mitBayern-Fanschal. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. In der
Causa Hoeneß geht es ihr schon nicht mehr wirklich gut. Darauf deuten
weitere Indizien hin. Etwa der Umstand, dass der Name Hoeneß trotz
Selbstanzeige - die eigentlich Anonymität verschaffen soll -
durchsickerte. Oder die - noch nicht bestätigte - Nachricht von einer
Durchsuchung.
Ein Neuanfang muss her
Für den Fußball ist der Fall eine Katastrophe. Aber noch schwerer
wiegt die politische Debatte: Wie ist es um ein Land bestellt, das
gestohlene Datenträger kaufen und somit selbst Hehler-Methoden
anwenden muss, um wenigstens auf diese Weise so viel Druck auf reiche
Kriminelle zu machen, dass einige von ihnen die Nerven verlieren?
Muss jetzt wieder die Justiz den Dreck wegräumen, den die Politik hat
liegen lassen, weil sie es nicht schafft, ein einfaches, von allen
akzeptiertes Steuersystem zu installieren? Für die kriminelle Energie
einzelner kann die Bundesregierung natürlich nichts. Aber das ändert
nichts daran, dass die Bilanz von Schwarz-Gelb in der Steuerpolitik
verheerend ausfällt. Und auch die Wahlprogramme von Rot-Grün machen
wenig Hoffnung. Die tatsächlichen oder gefühlten Ungerechtigkeiten
des Paragrafen-Dschungels, den wir immer noch in krassem Ausblenden
der Wirklichkeit als System bezeichnen, haben genug Sprengkraft, um
die Bindung zwischen Bürger und Staat nachhaltig zu beschädigen.
Vielleicht hat Uli Hoeneß uns - egal, was man ihm tatsächlich
vorwerfen kann - doch einen Dienst erwiesen. Nämlich den, dass wir
beginnen, nachzudenken: Steuern sind der Preis der unglaublichen
Freiheit, die wir genießen. Aus dieser Erkenntnis muss sich ein neuer
Anfang speisen. Ein im Vollzug gerechter Anfang, der Altlasten sauber
regelt und künftige Vergehen unerbittlich unter Strafe stellt. Und
keine Unterschiede macht zwischen denen, die die Freiheit weiterhin
mit Füßen treten wollen, und denen, die ihnen dabei helfen.
Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 21.04.2013 - 19:28 Uhr
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