Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zum Wahlkampf der SPD: Ude, der dünnhäutige Kämpfer von Christine Schröpf
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Landtagswahl. Wie sie das Ruder herumreißen will, ist unklar.
Er kämpft. Das muss man dem SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude
attestieren. Für den Wahlkampfendspurt hat er sich einen
Bierzeltmarathon quer durch alle Regierungsbezirke auferlegt, um das
schädliche Image des Großstadt-OBs abzustreifen. Bei seinen
Auftritten fließt der Schweiß. Doch trotz aller Aktivitäten ist zu
spüren, dass Ude und seiner Partei in diesen Tagen die
Siegeszuversicht verloren geht - mag das in offiziellen Statements
auch trotzig dementiert werden. Selbst im inneren Kreis der Partei
wachsen Zweifel, dass Ude jenseits der bayerischen Ballungszen-tren
punkten kann. Deutlich wird zudem der These widersprochen, dass die
SPD ohne Ude noch schlechter dastünde als im Moment. Acht Wochen vor
der Landtagswahl stecken die Genossen in Umfragen bei 18 Prozent
fest, damit knapp unter dem Ergebnis der Landtagswahl 2008. Das
eigentliche Problem ist nicht dieser Zwischenstand, sondern die
fehlende Gegenstrategie. Es ist nicht in Sicht, wie Ude das Ruder
herumreißen will. Zwar verweist er zu Recht auf das große Heer der 40
Prozent Unentschlossenen unter den Wählern. Aber auch sie müssen erst
einmal erobert werden. Verharrt die SPD in der Flaute, sind Träume
von einem Regierungsbündnis mit Grünen und Freien Wählern absurd.
Selbst wenn Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger diese Konstellation im
Fall der Fälle überhaupt bevorzugt, reicht es unter diesen
Voraussetzungen mit hoher Sicherheit nicht zu einem Machtwechsel. In
dieser vertrackten Situation wird der Kandidat dünnhäutig. Ude, der
als Münchner OB und Städtetagspräsident (fast) immer alles im Griff
hatte, verliert seine Souveränität. Vor Beginn seines zweimonatigen
Wahlkampfurlaubs klagte er, dass Ministerpräsident Horst Seehofer
seit zwei Jahren die Chance nutze, im Zuge von Dienstgeschäften um
Wählerstimmen zu werben. Einmal davon abgesehen, dass Seehofer seit
fünf Jahren den Wahltag 2013 fest im Blick hat: Der Amtsbonus ist in
der Politik eine Tatsache, darüber zu jammern ist weinerlich. Ude hat
in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei den Kommunalwahlen in München
selbst klaglos von diesem Bonus profitiert. Und es sei ihm und
Seehofer zugute gehalten hat, dass sicher nicht jede Amtshandlung
einem künftigen Wahlerfolg geschuldet ist. Die Nervosität Udes lässt
sich auch an der Verbissenheit festmachen, mit der er beim Parteitag
am Samstag den neuen Bayerntrend des BR zerfieselte. Seehofer liegt
dort im direkten Vergleich in vielen Kategorien teils weit vorne -
von der Wirtschaftsstärke bis zur bayerischen Note. Ude kaprizierte
sich nun klein-klein ausgerechnet darauf, dass er in der Kategorie
"Popularität" zwei Zehntel besser dasteht, statt mit seinen
eigentlichen Pfunden zu wuchern: der bescheinigten Kompetenz in
sozialen Fragen und der größeren Glaubwürdigkeit. Am Tief der SPD
sollen jetzt nach Lesart der Partei die Medien mitschuldig sein. Ude
liefert sich öffentlich immer wieder Scharmützel mit Zeitungen, die
ihn hart zur Brust nehmen. Von "medialer Diffamierung" sprach jetzt
gar sein Wissenschaftsminister in spe, Julian Nida-Rümelin. Dabei
wird Ude schlicht und einfach die kritische Aufmerksamkeit zuteil,
die ein landesweiter Spitzenkandidat hinzunehmen hat. Seehofer geht
es um keinen Deut anders. Auch von ihm ist - wenn auch nur ab und an
- Murren zu hören. Ude startet unter schlechten Vorzeichen in den
Wahlkampfendspurt. Vielleicht aber überzeugt die Bürger ja sein
großer Kampfgeist. Ein Ergebnis über den 18,6 Prozent von 2008 hätte
die Volkspartei SPD verdient, die in den vergangenen fünf Jahren im
Landtag in vielen Bereichen gute Arbeit abgeliefert hat - etwa im
Untersuchungsausschuss zu den NSU-Morden in Bayern, der vom
Oberpfälzer SPD-Abgeordneten Franz Schindler geleitet worden ist. Ude
könnte es aber auch gehen wie dem sagenhaften Volkshelden Schmied von
Kochel, vor dessen Denkmal die Führungsriege im Frühjahr am Rande
einer Klausur posierte. Er kämpfte tapfer, doch er fiel - seine
Widersacher setzten später einen Teil seiner Ideen um.
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Datum: 21.07.2013 - 22:25 Uhr
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