Allg. Zeitung Mainz: Ein Skandal / Kommentar zu Mietpreisen
ID: 913842
Angebot an familiengerechtem und erschwinglichem Mietraum geht seit
Jahren zurück - vor allem in Großstädten. Aber auch für jene, die ihr
Zuhause gefunden haben, ist die Welt längst nicht immer in Ordnung.
Hohe Mietzinsen drücken, und sie haben Ursachen: Der soziale
Wohnungsbau, nach dem Krieg gehegt und gepflegt, wird seit Langem
vernachlässigt. Vermieter setzen eher auf teuren Luxus als auf
erschwingliche Normalausstattung. Und dann sind da noch die
Nebenkosten, die seit Jahrzehnten rasant nach oben gehen. Aber das
Problem liegt noch viel tiefer:Während nämlich die Mieten steigen,
bewegen sich die Einkommen in genau die entgegengesetzte Richtung -
also nach unten. In Zeiten, in denen die Schere zwischen Arm und
Reich mittlerweile auch in Deutschland immer weiter auseinandergeht,
sinken in den unteren Schichten beharrlich die Einkommen, aus denen
die Miete bezahlt werden muss. Die einst breite Mittelschicht im Land
dünnt aus, Arbeit wird heute oft so schlecht bezahlt, dass mancher
Familienvater mehrere Jobs annehmen muss, um überhaupt über die
Runden zu kommen. Man kann also trefflich darüber streiten, ob
geldgierige Vermieter oder skrupellose Arbeitgeber Schuld daran sind,
dass einkommensschwache Familien durch die ortsüblichen Mieten in
Städten unter den Hartz-IV-Satz rutschen. Ein Skandal ist es allemal.
Bei Familienpolitikern sollten die Alarmglocken schrillen. Und sie
sollten wissen:Mit der schon mehrfach geforderten Begrenzung der
Mietsteigerungen in Groß- und Universitätsstädten allein ist das
Problem nicht zu lösen. Das ist reine Kosmetik.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 22.07.2013 - 19:11 Uhr
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