Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu Friedrich/Edathy/SPD
ID: 1019997
Verschwiegenheitspflicht verstoßen. Er hat dazu beigetragen, dass der
SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy in den Führungskreisen seiner Partei
und Fraktion in Verruf geriet, noch ehe eine Staatsanwaltschaft oder
gar ein Gericht die Vorwürfe auf ihren Gehalt prüfen konnte. Und der
Ex-Innenminister stand möglicherweise am Beginn einer
Informationskaskade, die am Ende bis zu Edathy selbst reichte. Dieser
war gewarnt und hätte viel Zeit gehabt, Videos und Fotos zu
beseitigen. Allein die Möglichkeit, dass Friedrich als oberster Hüter
der Sicherheit die Aufklärung einer Straftat vereitelt haben könnte,
machte seinen Rücktritt notwendig. Es bedurfte der Kanzlerin, ihrem
Minister dies klarzumachen.
Aber nicht nur Friedrich hat herumgequatscht, unzählige andere
waren ebenfalls frühzeitig über den Edathy-Verdacht unterrichtet und
erzählten ihr Wissen weiter - vermutlich immer mit dem getuschelten
Hinweis, man solle diese Informationen doch bitte vertraulich
behandeln. Die Frage, ob sie wirklich nur im Rahmen ihrer
Dienstobliegenheiten berichtet haben, richtet sich an den Chef des
Bundeskriminalamtes wie an viele andere im Staatsapparat. Ebenso
eindringlich sind jedoch Führungskräfte der SPD zu befragen, was sie
zum Herumtratschen bewegt hat. Sigmar Gabriel, inzwischen
Vizekanzler, hat auch nicht den Mund gehalten. Über Frank-Walter
Steinmeier, Thomas Oppermann und Christine Lambrecht lief die stille
Post weiter bis tief hinein in die SPD-Bundestagsfraktion. Wo endete
sie? Beim Beschuldigten?
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Datum: 14.02.2014 - 22:05 Uhr
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