WAZ: Dresscode zeigt Grenzen auf
- Kommentar von Tobias Blasius
ID: 661932
richtigen Abgeordneten-Jackett? Die von der neuen
NRW-Landtagspräsidentin entfachte Dresscode-Debatte zielt mitten
hinein ins Selbstverständnis eines Abgeordnetenhauses. Politiker
sollen als Volksvertreter zwar einen Querschnitt der Gesellschaft
repräsentieren, aber nicht so unterschiedlich gekleidet wie die
Bürger im Plenum hocken. Ist das nachvollziehbar? Ja, wer in einem
Bundesland mit 18 Millionen Einwohnern Verantwortung trägt, sollte
die im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben akzeptierten
Benimmregeln verinnerlicht haben. Eine sichtbare Unterscheidung von
Berufskleidung und Freizeitmode ist Arbeitnehmern zuzumuten, warum
also nicht auch Landtagsabgeordneten? Es geht dabei nicht nur darum,
mit angemessener Kleidung Respekt vor der eigenen Aufgabe und den
Gesprächspartnern zu bezeugen. Ein Dresscode ist gerade in bewegten
Zeiten, die innerhalb weniger Monate neue Parteien wie die Piraten in
die Parlamente spülen, eine sinnvolle Beschneidung der
Individualität. Es ist eine notwendige Selbstvergewisserung der
Politik. Wo sollen sonst Grenzen gezogen werden: beim Essen in der
Abgeordnetenbank? Beim Musikhören während der Debatte? Die Würde des
Parlaments wäre schnell in Gefahr.
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Datum: 18.06.2012 - 19:25 Uhr
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