Allg. Zeitung Mainz: Eine Mahnung / Kommentar von Andreas Härtel zum Fall Lügde
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Gründen bemerkenswert gearbeitet. Zum einen fiel das Urteil so klar
aus, wie es nur sein konnte. Zum anderen kam es so schnell, wie es
leider nicht üblich ist - obwohl es doch immer so sein müsste. Erst
im Dezember waren die Täter festgenommen worden, jetzt, gerade einmal
ein Dreivierteljahr später, steht fest: Die Opfer werden ihren
Peinigern wohl nie mehr begegnen. Schließlich dürfte die
Sicherungsverwahrung dafür sorgen, dass die Verurteilten nicht mehr
freikommen. Das Gericht hat den Opfern damit ihre schlimmste Angst
genommen. Vor der Festnahme allerdings haben sich die
Ermittlungsbehörden nicht mit Ruhm bekleckert. Immer wieder hatte es
Hinweise auf sexuellen Missbrauch auf dem Campingplatz gegeben, aber
dem war offensichtlich jahrelang nicht mit letztem Nachdruck
nachgegangen worden. Unvergessen sind auch die Meldungen über
Ermittlungspannen wie verschwundene Beweismittel. Das relativiert die
Reaktion von NRW-Innenminister Herbert Reul von gestern: Ja, das
Urteil ist eine Warnung an alle Täter. Aber es ist halt auch eine
Mahnung für alle Ermittler, auch für jene, die Reul zu führen hat.
Ebenso für die Politik, weil die Behörden, die Missbrauch verhindern
und ahnden sollen, nicht in dem Maße auf ihre Aufgabe vorbereitet
sind, wie sie es sein müssten. Und es ist eine Mahnung für die
gesamte Gesellschaft. Man weiß es doch: Die meisten Missbrauchsfälle
gibt es im Familien- oder Bekanntenkreis. Und die meisten Täter
kommen deshalb davon, weil andere wegsehen. Mit alldem muss Schluss
sein. Auch im Namen der Opfer von Lügde.
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Datum: 05.09.2019 - 18:47 Uhr
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